Die Kino-Woche: Der Superbowl, Möchtegern-Skandale und Lego

Das Geschäft beim Football-Finale mit den Materialschlachten

Unser wöchentlicher Ausblick auf Neustarts, Geheimtipps und empfehlenswerte Streifen, die in den nächsten Tagen aus den Kinosälen verschwinden…

Der Superbowl ist eines der größten TV-Events in den Vereinigten Staaten. Er bezeichnet das Finale der National Football League (NFL) und findet in der Regel am ersten Sonntag im Februar statt. Was das mit unserer Kino-Woche zu tun hat? Der Superbowl stellt das TV-Ereignis mit den höchsten Fernseh-Einschaltquoten des Jahres dar, bei dem die mit einer gigantischen Live-Show aufgeblasene Halbzeitpause die teuersten Sendeplätze des Jahres beinhaltet. Alle großen Filmstudios platzieren hier spezielle Superbowl-Teaser ihrer vielversprechensten Kino-Blockbuster für das noch junge, neue Jahr. Auch 2017 hat da keine Ausnahme gemacht, weswegen wir vor dem Kino-Programm für die Woche erstmal einen Ausblick auf das Trailer-Spektakel des Superbowls präsentieren.

Wie schon unser Ausblick auf das Kino-Jahr 2017 zeigte, dominieren die Fortsetzungen zu den aktuellen Mega-Franchises das Kino-Geschäft. Das wurde auch beim Superbowl mehr als deutlich.

 


 
Das erste Mega-Franchise ist die der mittlerweile fünfte Teil von Michael Bay’s über große Strecken grenzdebiler Spielzeug-Krachmacher-Reihe „Transformers“. Bei „Transformers: The Last Knight“ gibt es erwartungsgemäß wieder kein Entrinnen von der Effektkeule, die nicht nur sämtliche Drehlocations, sondern auch jeden Anflug von Story mit einer Leinwand-sprengenden Materialschlacht auseinandernimmt. Angeblich ist „The Last Knight“ diesmal wirklich Michael Bays letzter Beitrag zu der Knallbonbon-Reihe.
 

 
„Guardians of the Galaxy Vol. 2“  ist die Fortsetzung zu dem 2014er-Hit „Guardians of the Galaxy“ und dürfte dem Trailer nach zu urteilen ein ähnlich unbeschwertes Spaß-Geschoss werden. Kaum eine Comic-Verfilmung („Deadpool“ mal ausgenommen) nimmt sich so wenig ernst wie dieses von Regisseur James Gunn liebevoll in die Realität umgesetzte Franchise um einen vorlauten Space-Schmuggler, eine grüne Alien-Amazone, einen stumpfen Muskelberg, ein Baumwesen namens Groot und nicht zu vergessen einen vorlauten Waschbär. Der Start in die Reihe meisterte den schmalen Grat zwischen Klamauk und spannender Sci-Fi-Materialschlacht beeindruckend souverän, so dass auch die Fortsetzung mit gleicher Besetzung und gleichem Regisseur das hohe Level durchaus halten könnte…
 

 

Der „Fluch der Karibik“ hat Johnny Depp Anfang der 2000er zum bestbezahltesten Schauspieler Hollywoods gemacht. Mittlerweile ist der einstige Charakter-Darsteller in der Branche schon beinahe ein Flop-Garant, der aufgedunsen mit Finanzproblemen durch die Boulevard-Presse wankt. „Fluch der Karibik: Salzar’s Rache“, der fünfte Teil des zerklüfteten „Fluch der Karibik“-Franchise soll es dieses Jahr nochmal richten, könnte aber auch in völliger Bedeutungslosigkeit versinken. Mit dem dritten Teil haben Keira Knightley und Orlando Bloom, Depp’s ehemalige Kollegen, rechtzeitig den Absprung aus dem Piraten-Grusler geschafft, während Jack Sparrow tatsächlich vom Fluch (der Karibik) gefangen wurde…
 

 

Was als prollige Tuning-Posse im Jahr 2000 mit „The Fast and the Furious“ anfing, hat sich mit mittlerweile sieben Fortsetzungen zu einem ernstzunehmenden Kassenmagneten entwickelt. Mit „The Fate of the Furious“ startet dieses Jahr der allen Ernstes achte Teil der Nitro-getränkten PS-Saga und reiht sich nahtlos in die mittlerweile vollkommen übertriebene Over-the-Top-Action der Vorgänger ein. Zu prolligen Hip-Hop-Beats werfen die Muskelprotze mit Onelinern um sich und düsen in sündhaft teuren Luxus-Sportwagen durch künstliche CGI-Actionszene. Es scheint, als habe das Franchise endgültig jegliche Bodenhaftung verloren, dabei hätte der tragische Tod von Hauptdarsteller Paul Walker Ende 2013 durchaus der Wendepunkt für eine etwas geerdetere Ausrichtung sein können.
 

 
Der vielleicht vielversprechendste Franchise-Beitrag beim diesjährigen Superbowl stammt vermutlich aus dem „X-Men“-Universum. Mit „Logan“ präsentiert sich der letzte Film mit Wolverine-Darsteller Hugh Jackman in den bisherigen Ausschnitten in einem dreckigen Western-Look dominiert von eher leisen Tönen. Wenn auch die Materialschlacht nicht ganz aus bleiben wird, weckt auch der Superbowl-Teaser die Hoffnung, dass hier eine kleine Comic-Offenbarung auf die von ständigen Zerstörungs-Orgien gesättigten Zuschauer zukommen könnte…
 

 

Das vielleicht cleverste Marketing für einen Superbowl-Teaser kommt dieses Jahr von Lionsgate und ihrer Fortsetzung des düsteren Action-Krachers „John Wick“. Statt mit noch mehr Action in der Dauer-Berieselung unterzugehen, spielt man beim „John Wick Chapter 2“-Teaser frech auf das aktuell bis zum Geht-nicht-mehr gehypte Kino-Ereignis an: „This Valentine’s Day Weekend slip into something a shade darker“ – Ein mit der passenden Musik in Szene gesetzter Seitenhieb in Richtung „Fifty Shades of Grey“, den ein regelrecht entfesselter Keanu Reeves im Anschluss mit feinstem Gunplay aufbricht. In Deutschland geht das in den USA als „50 Shades“-Gegengewicht für die echten Kerle platzierte Baller-Fest leider erst eine Woche später an den Start.


 

Das aktuelle Kino-Programm in Trier

 

 

Und somit sind wir in der Gegenwart angelangt, die in der bevorstehenden Kino-Woche eindeutig im Zeichen von „Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe“ steht. Das Cinemaxx geht mit sage und schreibe 7 täglichen Vorstellungen an den Start, so dass es auch wirklich kein Entrinnen vor der skandalösen Literatur-Verfilmung gibt, die mit wirklich seichten Sex-Szenen und einer stark verzerrten Darstellung eine ganze Untergrund-Kultur in vollkommen falschem Licht in die Öffentlichkeit zerrt. Daran dürfte sich auch bei der Fortsetzung nichts geändert haben, wovon man sich ab morgen sieben Mal täglich überzeugen kann!
 

 
Aber wohin mit den Kindern, wenn die Mutter den Vater in das erotisch-konservative Katz-und-Maus-Spiel von Christian Grey und Anastasia Steele zerrt? Glücklicherweise ist Spielzeug-Gigant LEGO zur Stelle und überbrückt die Lücke an aktuellen Comic-Verfilmungen mit ihrem eigenen Beitrag: „The Lego Batman Movie“. Statt einem furchtbar ernst drein blickenden Ben Affleck, stakst der einsame Rächer hier als chaotische Lego-Figur durch ein liebevoll zusammengebautes Lego-Animations-Universum. Das macht schon im Trailer enormen Spaß und dürfte auch im Abend-füllenden Format auf der Kinoleinwand überzeugen.

Wer weder Spielzeug-Verfilmung nach Handschellen-Gebrauchsanleitungen sehen möchte, darf sich auch diese Woche an dem Sci-Fi-Abenteuer „Passengers“ erfreuen, oder mit Milla Jovovich durch „Resident Evil: The Final Chapter“ hechten, die multiplen Persönlichkeiten bei „Split“ zählen, mit „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ durch den Dschungel surfen oder in „Rings“ verbotene Video-Tapes schauen.

Wer lachen will, kann das nach wie vor bei „Plötzlich Papa!“, „Vier gegen die Bank“, „Why Him?“ und „Willkommen bei den Hartmanns“ tun. Wer was für die Kleinen sucht hat neben dem LEGO-Film noch „Wendy – Der Film“, „Vaiana“, „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“, „Sing“ und „Monster Trucks“ zur Auswahl.

Wenig neues im Broadway…

Auch im Broadway dominieren diese Woche die schlüpfrigen Details von Mr. Grey und Mrs. Steele, sowie der LEGO-Batman. Immer noch zu sehen gibt es „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ und den großartigen „La La Land“.

Die genauen Spielzeiten der einzelnen Filme gibt’s auf Cinemaxx.de und bei Broadway Trier.

Und was läuft an der Uni? Cineasta!

Neben dem Standard-Programm gibt’s an dieser Stelle auch einen Hinweis auf das wöchentliche Kinoprogramm des cineasta an der Universität Trier, wo zweimal wöchentlich (Dienstag und Mittwoch) Filme verschiedenster Genres und Epochen gezeigt werden.

Aufgrund der unmittelbar bevorstehenden Semesterferien gibt es in der kommenden Kino-Woche nur noch am Dienstag cineasta-Programm.
 

 

Dienstag, 14.02.2017: Das Cineasta zeigt um 20:00h im Hörsaal 3 der Universität Trier die französische Komödie „Frühstück bei Monsieur Henri“, in der ein alter, griesgrämiger Mann seine junge Betreuerin engagiert um seinen Sohn zu verführen, damit dieser sich von der unerwünschten Schwiegertochter trennt.

Vor dem Hauptfilm wird der Kurzfilm „Bob“ gezeigt.

 

Titelbild: Paramount Pictures

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