Eine Künstlerfamilie – 5vier im Gespräch mit den Kröhnerts

Heute Abend sind sie zu Gast beim One Night Stand des Trierer Theaters im Astarix

Heute Abend, beim letzten One-Night-Stand der noch laufenden Spielzeit, wird im Astarix Platz gemacht für eine ganz besondere Künstlertruppe: Familie Kröhnert. Papa Reiner, Tochter Dana und die Söhne Jonas und Daniel Kröhnert werden im Astarix für Unterhaltung sorgen. Dabei jeder auf seine ganz eigene Weise.

Daniel Kröhnert, Jungschauspieler im Theater Trier, hat nicht nur das nötige Talent, um Schauspieler zu sein, er hat auch die richtigen Anlagen dazu. Schon sein Vater stand und steht regelmäßig auf der Bühne, allerdings als politischer Kabarettist. Dafür hatte auch seine große Schwester den Beruf der Schauspielerin inne. Mit seinem kleinen Bruder hat er schon so einiges an Musik auf die Beine gestellt. Grund genug, diese interessante Familie mal näher kennenzulernen. Am letzten Freitag, zum Stück „Aber sicher“, kamen sie in Trier zusammen, um die Premiere des Sohnes und Bruders zu erleben. Und mehr noch: Um für ihren Auftritt beim One Night Stand am heutigen Donnerstag zu proben. Grund genug also für ein Familientreffen.

Kröhnert-Familie_bearbeitetObwohl sie mit dem gemeinsamen Proben durchaus schon Erfahrung haben: Dana und Daniel Kröhnert versuchten sich bereits früh an gemeinsamen Projekten, wie etwa einer selbst eingesprochenen Kassette im zarten Kindesalter. Dana war sechs, Daniel gerade mal zwei Jahre alt, als sie zusammen eine Kassette mit einer Geschichte besprechen wollten. Improvisiert natürlich. Alles andere wäre ja Kindergarten gewesen. Dabei verlangte die große Schwester ihrem kleinen Bruder bereits alles an schauspielerischem Talent ab, was nur ging. „Seitdem kann ich aber sehr gut mit Leistungsdruck umgehen“, lacht Daniel.

Zum zehnten Geburtstag bekam Dana eine Kamera, ab diesem Zeitpunkt orientierte man sich um: hin zu großen Hollywoodfilmen. „Wir hatten sogar feste „Schauspieler“, die wir uns ausgedacht hatten“, plaudert Dana aus dem Nähkästchen. In einem dieser Hollywoodstreifen musste auch der Kleinste, Jonas Kröhnert, Schauspielblut lecken. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die beiden großen Geschwister drückten ihm ein Plastikmesser in die Hand, sagten ihren Text und flüsterten dem kleinen Jonas ins Ohr, dass er jetzt zustechen müsste. Ein zarter Pieks und die beiden Hauptdarsteller lagen tot auf dem Boden. Immerhin spielte Jonas ja den blutrünstigen Mörder, à la Stephen King, mit drei Jahren. Für Jonas war es danach erst mal vorbei mit der Schauspielerei, für Daniel und Dana fing sie danach erst richtig an.

In einem Poesiealbum, wie es Kinder im Grundschulalter haben, um ihre Freunde darin zu verewigen, sammelte der Grundschüler Daniel keine Klassenkameraden, sondern seine zahlreichen Rollen, die er schon erdacht und gespielt hatte. Der Berufswunsch war selbst im Poesiealbum schon klar: Schauspieler. Oder Profi-Fußballspieler. Dann folgte die schwierige Pubertät, in der alles in Frage gestellt wurde, als sein Fußballtrainer Daniel die ersten Grenzen im Fußball aufzeigen musste. Es würde wohl nichts werden mit der ganz großen Karriere im Sport, dafür haperte es zu sehr an zwei Dingen: Seit einer Verletzung am Daumen, war Daniel in seiner Position als Torwart eingeschränkt. Und zudem fehlte es ihm an Selbstbewusstsein.

„Als Torwart braucht man eine starke Ausstrahlung, man soll seiner Mannschaft ja Vertrauen einflößen. Genau wie beim Schauspiel.“ Sowohl die Viererkette, als auch Schauspielkollegen wären von zu wenig Selbstbewusstsein eher verunsichert. Die nötige Portion von Selbigem fand er auf der Schauspielschule. Hierhin hat ihn auch Schwester Dana gebracht: „Ich habe mit ihr für die Aufnahmeprüfungen gelernt, sie hat die finalen Striche bei meinem Monolog gemacht, diese Striche sind perfekt.“

Dana ist selbst seit 2006 ausgebildete Schauspielerin, bis vor kurzem arbeitete sie auch noch in diesem Beruf. Vier Jahre lang war sie mit einem Tourtheater unterwegs, reiste durch ganz Deutschland, lernte viele Städte kennen, viele Rollen spielen und erntete einiges an Applaus. Danach folgten Engagements als selbstständige Schauspielerin. Seit ein paar Monaten lebt sie nun in Frankfurt und arbeitet bei der Volksbank als Beraterin für Kredite. Klingt nach einer Lücke im Lebenslauf, nach einer Zwischenstation, einer Notlösung, war aber in der Tat eine knallharte Entscheidung: „Die vier Jahre mit dem Tourtheater waren interessant, man hat viel gesehen und gelernt, aber man hatte für vier Jahre kein Privatleben.“ Das Theater hat einiges an Opfern verlangt, bei Beziehungen, in der Familie, der alltäglichen Freiheit und schließlich auch bei der eigenen Gesundheit. „Ich bekam eine Gastritis, habe insgesamt 10 Kilo abgenommen wegen dem Stress. An Familienplanung oder auch nur freie Freizeitgestaltung war nicht zu denken.“ Hinzu kamen das ständige Umziehen, das Gefühl keinen festen Platz im Leben zu haben, die ständigen Zukunftsängste, das knappe Geld und die vielen Streitereien und Konkurrenzsituationen mit den Kollegen.

In diesem Job braucht man noch mehr als Talent, man braucht Ellenbogen aus Stahl. „So weit geht die Liebe zum Schauspielen dann doch nicht, dass man dafür alles aufgibt. Selbst die eigene Persönlichkeit.“ Nun genießt sie eine ganz andere Art von Freiheit: „Ich genieße die netten Kollegen, die geregelten Arbeitszeiten, die Freizeit und sogar den kostenlosen Kaffee. Endlich mal wissen, was auf einen zukommen wird und vielleicht sogar eine Familie planen können.“

Daniel sieht gerade in der großen Verzichtbereitschaft von Schauspielern die Gefahr für die Schauspieler: „Man wird so geprägt, dass man alles aufgeben muss, um Erfolg zu haben. Ich denke, hier liegt eine Falle, denn wenn man gar kein Leben mehr neben dem Theater hat, kann man keine Erfahrungen machen, aus denen man für seine Kunst schöpfen kann.“ Da seine Schwester den Sprung ins kalte Wasser gewagt hatte, wusste Daniel was auf ihn zukommen würde. Einschränkungen, was Beziehungen und Familie, sogar das Äußere anbelangt: Keine Strähnchen im Haar, keine lackierten Fingernägel. Ohrringe und Piercings während der Proben abkleben, ähnlich wie beim Fußballtraining, scherzt Daniel. „Ich denke, man muss in sich Erfolg spüren, um wirklich glücklich zu sein. Erfolg gibt es nicht nur in Form von Applaus.“

Im zweiten Teil kommen Bruder Jonas, der Musikproduzent und Vater Reiner, der Kabarettist zu Wort.

 

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