Eintracht Trier: Bruchweg-Fluch besiegt – Spitzenreiter – Fotos/VIDEO

Vom Mainzer Bruchweg berichtet
Andreas Maldener (Text) und Anna Lena Bauer (Fotos)

Jahrelang war das Mainzer Bruchwegstadion kein gutes Pflaster für Fußball-Regionalligist Eintracht Trier. Doch am Montagabend konnte die Mannschaft von Trainer Roland Seitz diesen Fluch endgültig abschütteln und besiegte die zweite Mannschaft des FSV Mainz 05 II mit 0:2 (0:0).

Die Freude war nach dem Abpfiff riesengroß. Foto: {link url="http://fotolena.de"}Anna Lena Bauer{/link}

Die Tore für die Eintracht erzielten Fahrudin Kuduzovic in der 73. Spielminute per Foulelfmeter und Lukas Mößner (88.). Durch den Dreier am Bruchweg verdrängte der SVE zwischenzeitlich Preußen Münster von der Tabellenspitze. Überschattet wurde die Partie vom unsportlichen Verhalten des Mainzers Marco Rose, der nach der strittigen Elfmeterentscheidung wegen Verbalattacken gegen Schiedsrichter Cetin Sevinc mit der gelb-roten Karte des Feldes verwiesen wurde, danach sogar noch ausfällig gegenüber SVE-Coach Roland Seitz wurde.

„Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“ hallte es am Montagabend durch das mit 750 Zuschauern spärlich besetzte Mainzer Bruchwegstadion. Einzig und allein der Gästeblock, mit rund 200 Trierer Schlachtenbummlern prächtig gefüllt, sorgte für eine phantastische Stimmung. Spätestens nach dem 2:0 für die Moselaner durch Lukas Mößner in der 88. Minute kannte der Jubel keine Grenzen mehr. „Alban Meha, Fußballgott!“, feierten die Anhänger den Spieler der Eintracht, der auf bravouröse Weise den entscheidenden Treffer vorbereitete. Zum standesgemäßen „Humba“ ließ sich der sonst eher zurückhaltende Kosovare dann sogar dazu überreden, mit den Fans zusammen auf dem Zaun zu jubeln und zu feiern. Besonders groß war die Freude nach Spielschluss auch und gerade deswegen, weil Eintracht Trier am Bruchweg noch nie gewinnen konnte.

Er traf zum 2:0 für den SVE und machte somit alles klar: Lukas Mössner. Foto: {link url="http://fotolena.de"}Anna Lena Bauer{/link}

Eintracht-Trainer Roland Seitz stellte seine Startformation im Vergleich zum 2:0-Heimsieg gegen Borussia Dortmund II auf zwei Positionen um. Nach seiner Oberschenkelverletzung und einer Woche mit wenig Training vor dem Spiel gegen die Borussen rückte Routinier Thomas Drescher zurück auf seine angestammte Position auf der rechten Abwehrseite. Sein Pendant auf dem linken Flügel, Cataldo Cozza, konnte wie bereits berichtet nach überstandener Grippe von Beginn an auflaufen. Entwarnung gab es weiterhin auch bei Kapitän Josef Cinar. Nachdem er unter der Woche von einem grippalen Infekt lahm gelegt wurde, war nach dem Anschwitzen heute Morgen klar, dass Cinar in der Innenverteidigung auflaufen könne. Im Bezug auf eine eventuelle Verstärkung der Mainzer Elf aus dem Bundesligakader gab die Aufstellung bereits eine Stunde vor Spielbeginn Entwarnung. Außer Petar Sliskovic, der bei der 0:1-Niederlage des FSV am Sonntag gegen Bayer Leverkusen 90 Minuten auf der Bank verbrachte, blieb es Trainer Martin Schmidt verwehrt, auf weitere Profispieler zurückzugreifen.

Doch die Partie begann für die mitgereisten Anhänger mehr als nur durchwachsen, denn ihre Mannschaft begann gegen eine im 4-5-1-System äußerst defensiv ausgerichtete Mainzer Mannschaft hypernervös und leistete sich schnell einige Patzer im Abwehrverbund. Bereits nach zwei Minuten entwischte der schnelle Adriano Grimaldi seinen Gegenspielern Thomas Drescher und Josef Cinar, den Querpass versucht der hinterhereilende Drescher zu klären, doch der Querschläger landet an der Latte. Danach scheiterte Grimaldi mit seinem zweiten Versuch am Wirrwarr im Trierer Strafraum.

Er konnte sich nach der Elfmeterentscheidung nicht beruhigen und kassierte die gelb-rote Karte: Marco Rose (Mitte). Foto: {link url="http://fotolena.de"}Anna Lena Bauer{/link}

Rund 10 Minuten dauerte es, ehe Trier das Spiel einigermaßen unter Kontrolle brachte, dass die Mainzer zuvor mit ansehnlichem Tempofußball nach Belieben beherrschten. Dann hatten Alban Meha nach schönem Dribbling (12.) sowie zwei Mal Lukas Mößner (20., 21.) die ersten Chancen für die Gäste. Trotz dieser Chancen und deutlich besserer Zweikampfwerte agierte die Eintracht wie häufig in dieser Saison gegen defensiv ausgerichtete Mannschaften mit einem zu ideenlosen, von langen Bällen geprägten Spiel. Wurde der Ball dann doch einmal flach gehalten, reagierte die Mainzer Hintermannschaft prompt. Aus dem 4-5-1-System entstand blitzschnell ein 4-1-4-1, weil Konstantin Fring sich von der Sechserposition noch weiter in die Defensive orientierte und so die Räume für Kombinationen noch enger schnürte. Deswegen passierte bis zum Halbzeitpfiff auch recht wenig am Mainzer Bruchweg, lediglich einmal wurde es brenzlich im Strafraum der Eintracht, als erneut Adriano Grimaldi der Gästeabwehr entlaufen war, jedoch nur das Außennetz traf (44.). „Wir haben heute nicht gut gespielt, aber am Ende zählen für uns die drei Punkte“, analysierte Trainer Roland Seitz nach dem Spiel.

Die Halbzeitansprache des Oberpfälzers in Diensten des SVE schien es in sich gehabt zu haben, denn nach dem Seitenwechsel wirkte seine Mannschaft gedankenschneller und noch präsenter in den Zweikämpfen. Diese Leistungssteigerung sollte sich auszahlen: Nach einem schnellen Antritt von Fahrudin Kuduzovic konnte Mainz-Kapitän Victor Riske diesen nur noch per Foul stoppen. Den anschließenden Freistoß setzte Alban Meha aus 25 Metern an die Latte, von dort aus sprang die Kugel Torwart Pierre Kleinheider an den Rücken, ehe Manuel Schneider in höchster Not klären konnte.

Die beiden Torschützen des heutigen Tages: FAZ und Lukas Mössner. Foto: {link url="http://fotolena.de"}Anna Lena Bauer{/link}

In Folge dieses Freistoßes verflachte die Partie, erneut ehe der Spannungsbogen in der 70. Minute rasant in die Höhe schoss. An der Strafraumgrenze geraten Triers Lukas Mößner und der Mainzer Routinier Marco Rose aneinander. Mößner fällt, dann ein Pfiff. Schiedsrichter Cetin Sevinc entschied auf Foulelfmeter für die Eintracht. Rose, insgesamt 174 Bundesligaspiele schwer, konnte die Entscheidung kaum fassen. Nachdem der Linienrichter – der nicht auf Strafstoß entschied – seine Proteste abwies, war der Mainzer kaum noch zu bremsen. Nach einem wilden Wortgefecht mit dem Unparteiischen und einer folgerichtigen gelben Karte mussten Roses Mitspieler den 35-jährigen mit aller Kraft zurückhalten, damit dieser nicht handgreiflich wurde. Völlig zu Recht sah Rambo Rose die gelb-rote Karte, leistete sich jedoch auch auf dem Weg in die Kabinen einen weiteren Aussetzer, als er Eintracht-Coach Seitz beschimpfte, der die Szene völlig regungslos beobachtete. Dass sich der Trainer dann jedoch auch noch von seinem Kollegen Martin Schmidt beschimpfen lassen musste, ging ihm zu weit:“Ich bin sehr enttäuscht, wenn ein Kollege – vor allem vor den vielen jungen Spielern – auf mich zugeht und mit erhobenem Finger sagt ‚Hoffentlich wird das bestraft!’. Denn ich kann nichts für den Elfmeter.“ Doch auch bei der Pressekonferenz nach Spielende distanzierte sich Schmidt nicht von seiner Aussage und legte nach:“Uns ist Ungerechtigkeit widerfahren und ich hoffe nicht, dass so etwas eventuell mit dem Aufstieg belohnt wird. Das ganze Stadion hat gesehen, dass es kein Strafstoß war, doch wir müssen darunter leiden.“

"Alban auf den Zaun...!" Foto: {link url="http://fotolena.de"}Anna Lena Bauer{/link}

Nach drei Minuten „Wildem Westen“ im Bruchwegstadion sollte dann jedoch auch wieder Fußball gespielt werden. Fahrudin Kuduzovic, der bereits in Wuppertal vom Punkt aus erfolgreich war, ließ sich von den turbulenten Szenen zuvor nicht beeindrucken und versenkte den Strafstoß zum 1:0 für die Eintracht. Um die Defensive zu verstärken, brachte Seitz nach dem Führungstreffer Max Bachl-Staudinger und Jeremy Karikari für Stefan Kohler (gelb-rot gefährdet) und Ahmet Kulabas, der nicht wirklich ins Spiel integriert war.

Als Mainz mit einem Mann weniger und dem Mute der Verzweiflung dann noch einmal versuchte, auf das Tor der Gäste zu drängen, konnte Trier mit einem mustergültigen Konter das 2:0 erzielen. Nach einem langen Ball aus der Abwehr bediente Kuduzovic Alban Meha per Direktabnahme in den Lauf, der sich viel Zeit lässt und im richtigen Moment Lukas Mößner sieht und findet. Der Österreicher, aktuell in bester Torlaune, ließ sich diese Chance nicht nehmen und verwandelte den Ball eiskalt.

STATISTIK

1. FSV Mainz 05 II: Kleinheider – Götze (ab 87. Walthier), Rose, Meißner, Schneider – Fring, Riske, Zimmermann (ab 84. Zinnram), Sliskovic, Buballa (ab 64. Grimm) – Grimaldi

SV Eintracht Trier 05: Poggenborg – Drescher, Hollmann, Cinar, Cozza – Kohler (ab 78. Bachl-Staudinger), Meha (ab 88. Zittlau), Kuduzovic, Kraus – Mößner, Kulabas (ab 78. Karikari)

Tore: 0:1 Fahrudin Kuduzovic (73., Foulelfmeter) 0:2 Lukas Mößner (88.)

Gelbe Karten: Hollmann (14.) wegen taktischem Foulspiel; Schneider (64.) wegen Foulspiel; Kohler (77.) wegen taktischem Foulspiel); Meha (79.) wegen Foulspiel; Bachl-Staudinger (81.) wegen Foulspiel; Riske (86.) wegen Foulspiel

Bes. Vorkommnisse: gelb-rote Karte gegen Rose wegen Meckerns und Schiedsrichterbeleidigung

Zuschauer: 750

Weitere Bilder

VIDEO – Stimmen zum Spiel (Trainer Roland Seitz, Lukas Mössner, Thomas Drescher und Ernst Wilhelmi)

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Kommentare (2)

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  1. bam sagt:

    würd mir gerne selber ein bild von dem verhalten des mainzer trainers machen. kann man seine geste und die anschließende pk irgendwo sehen?

  2. Elfmeter sagt:

    Und es war ein Foul… und es war im Strafraum! Und ich kann es echt immer noch nicht verstehen, wie sich ein „Profi“ Marco Rose so aufregen kann, dass er vollkommen die Fassung verliert – echt peinlich!

    Wer’s nicht glaubt, hier der VIDEO-Beweis:
    http://www.eintracht-trier.com/fans/svetv

    Ansonsten haben sich die Trierer den Sieg absolut verdient – fair gespielt und verdient gewonnen!

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