Eintracht Trier: Mit Rumpfkader gegen die Überflieger aus Dortmund

Von Florian Schlecht

Ein Lazarett und ein übermächtiger Gegner: Roland Seitz ist nicht zu beneiden. Dennoch will der Trainer im Heimspiel gegen Borussia Dortmund II unbedingt einen Sieg einfahren (Mittwoch, 19 Uhr).

Ein ungewisser Gang: Trainer Roland Seitz drohen viele Ausfälle gegen Dortmund II. Foto: Anna Lena Grasmück

Roland Seitz hat noch nicht mit dem Gedanken gespielt, sich und seinem Trainerstab eigene Spielerpässe zu beantragen. Aber die Idee an einen Stürmer Seitz, der mit 47 Jahren in höchster Not noch einmal die Fußballschuhe schnürt, bedient von genialen Pässen von einem Regisseur Rudi Thömmes, die Vorstellung gefällt ihm. „Das würde in der Offensive schon funktionieren“, lacht er. Doch da der frühere Torjäger des TSV Vestenbergsgreuth mittlerweile Coach bei Fußball-Regionalligist Eintracht Trier ist und eher von der Seitenlinie Kommandos gibt, bleibt er lieber der Trainerbank treu – und versucht die personelle Misere vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund II (Mittwoch, 19 Uhr) mit anderen Spielern zu lösen.

Ein gewagtes Projekt. Erneut hat sich die Liste der Ausfälle eher vergrößert. Und so war „Dr.“ Seitz auch erst einmal einige Minuten damit beschäftigt, die neueste Stippvisite durchzugehen. Alon Abelski (Teileinriss des Syndesmosebandes), Wojciech Pollok (Innenbandverletzung) und Tolgay Asma (Anbruch des vierten Mittelfußknochens) stehen nicht zur Verfügung. Das gilt auch für Oliver Stang, der sich in einem Kopfballduell mit Tokio Nakai von der TuS Koblenz einen Nasenbeinbruch zuzog.  „Es hat sofort geknackt.“ Am Donnerstag wird der Innenverteidiger operiert und gegen Dortmund II von Denny Herzig ersetzt wird, der nach seiner Gelbsperre ins Team zurückkehrt. „Wenn die Schwellung abklingt, will ich am Sonntag in Verl schon wieder mit einer Maske spielen“, hat Stang die feste Absicht, das Lazarett bald zu verlassen.

Einsatz von Kraus fraglich

Hinter dem Einsatz von Thomas Kraus steht ein Fragezeichen.

Gefährdet ist der Einsatz von Thomas Kraus, der einen „Pferdekuss“ erlitten hat. „Der Fuß ist noch ganz schön blau“, so Seitz. Die WG aus Schweich mit Chhunly Pagenburg, Ahmet Kulabas und Benjamin Pintol hat entgegen erster Befürchtungen keine Salmonellen-, aber eine Lebensmittelvergiftung. „Sie nehmen heute mal am Training und morgen beim Anschwitzen teil – danach werde ich das Gespräch mit den Jungs suchen, ob sie sich fit fühlen.“

Thomas Drescher plagen Bandscheibenprobleme, der Routinier wurde in den Einheiten geschont. Daniel Bauer ist wegen der fünften Gelben Karte zum Zuschauen verdonnert – ihn könnte im Mittelfeld auf der rechten Seite Holger Knartz ersetzen. Im Angriff winkt Christoph Anton nach seinem erfrischenden Debüt gegen Koblenz eine erneute Chance von Beginn an, „aber er wirkt noch recht müde, da müssen wir abwarten, ob das Sinn macht“, meint Seitz.

Viele Einträge in der Krankenakte, viele Fragezeichen. Nur „zehn, elf Spieler“ standen so in den Tagen auf dem Trainingsplatz. Kämpferisch gibt sich der Oberpfälzer dennoch. „Es nützt ja nichts, über die Umstände zu klagen. Die Jungs kommen bald alle zurück. Nun geht es halt darum, das Spiel vernünftig zu überstehen.“

Dortmund II ist die „Mannschaft der Stunde“

Die Fans von Borussia Dortmund haben in dieser Saison viel zu feiern.

Das Problem könnte dabei aber auch der Gegner sein – Borussia Dortmund II hat sich in den letzten Monaten an die Spitzengruppe der Regionalliga herangeschlichen, die Überflieger haben zuletzt 28 von möglichen 30 Punkten eingefahren. Im Titelkampf ist die BVB-Reserve mittendrin statt nur dabei – und sie stellt die beste Auswärtsmannschaft.

Der 2:0-Erfolg im Hinspiel täuscht Roland Seitz nicht über die Aufgabe hinweg. „Schon da war zu erkennen, was für eine tolle Truppe sie haben. Warum sie da nicht schon oben mitgespielt haben, hat wohl keiner so richtig verstanden. Das wird eine heiße Kiste.“ Ein Trumpf der Dortmunder, die unter Jürgen Klopp die Bundesliga und unter David Wagner die Regionalliga aufwirbeln: sie haben mächtig Qualität in ihren Reihen. Torjäger Terrence Boyd weilte zuletzt bei der Nationalmannschaft der USA unter Jürgen Klinsmann, verpasste die Olympia-Qualifikation gegen El Salvador, erzielte beim 3:3 aber zwei Treffer.

Unverzichtbar ist der begehrte Stürmer aber scheinbar nicht. An seine Stelle rückte bei der Regionalliga-Mannschaft von Dortmund am Wochenende A-Jugend-Angreifer Marvin Ducksch in die Anfangsformation, der beim 4:1-Erfolg gegen Fortuna Köln gleich einen Doppelpack schnürte. „Vom fußballerischen Niveau her haben diese Vereine einfach die besten Spieler in Deutschland“, schwärmt Seitz. „Da tauchen immer wieder irgendwelche Namen auf, die Insidern seit Jahren bekannt sind und die ihre Qualität direkt unter Beweis stellen.“

Seitz will „Serienbrecher“ sein

Das Hinspiel in Dortmund gewann Trier mit 2:0.

Für Seitz liegt ein Reiz darin, der Serienbrecher zu sein, der Dortmund nach zehn Spielen ohne Niederlage schlägt. Um zugleich in eigener Mission nach vier sieglosen Partien im Stück wieder jubeln zu können „Oft ist es ja so, dass man einen Sieg einfährt, wenn keiner damit rechnet“, hofft der Trainer, der mit einem anderen Auftreten rechnet als am Freitag im Derby. „Wir müssen hellwach sein, dürfen nicht so offen stehen, sondern sind gefordert, die Räume eng zu machen.“

Dann, so der Wunsch des Oberpfälzers, soll es klappen mit dem Ende der schwarzen Serie. Auch ohne Treffer von Seitz, den einstigen Torjägers des TSV Vestenbergsgreuth, der trotz der Personalmisere auf einen eigenen Spielerpass verzichtet.

+++++Eintracht in Kürze+++++

Sözen und Spang liegen Vertragsangebote vor – A-Jugend-Torjäger Burak Sözen und Defensivspezialist Christopher Spang liegen Vertragsangebote vor. „Sportlich und finanziell ist alles besprochen, jetzt warten wir auf die Antwort“, so Trainer Roland Seitz. „Wir würden sie gerne halten, weil es gute, junge Spieler sind. Klar ist natürlich, dass es in Trier nicht das große Geld zu verdienen gibt.“

Gespräche mit Anton – Auch bei Christoph Anton sind die Verantwortlichen um eine Lösung bemüht. Der 20-Jährige will die Chance auf den Sprung in die Regionalliga-Mannschaft nutzen – ist aber durch eine Ausbildung zum Physiotherapeuten im Brüderkrankenhaus zeitlich stark eingebunden. „Wir sind an den Ansprechpartnern dran und gucken, was umzusetzen ist“, sagt Seitz. Zumindest für die Nachmittagseinheiten würde der Trainer den Offensivspieler gerne gewinnen.

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