Aluminiumpech beim 1:2 gegen Wuppertal

Aus Merxheim berichten Florian Schlecht (Text) und Holger Görgen (Video)

Erste Niederlage im dritten Test für Eintracht Trier: In Merxheim unterlag der SVE mit 1:2 gegen den Wuppertaler SV.  Beide Trainer waren zufrieden – und sprachen von einer Begegnung auf Augenhöhe.

Er sorgte für ein Highlight am heutigen Abend: Alon Abelski verwandelte eine Ecke für den SVE direkt zum zwischenzeitlichen 1:1. Foto: 5vier.de

Der Mann ist eine Autorität im Fußball-Westen. Hans-Günter Bruns stand wenige Minuten nach dem Testspiel auf dem Schotterparkplatz in Merxheim und gab zwei Journalisten von der heimischen Presse fleißig Interviews. Plötzlich tauchte Christian Knappmann auf, leise, auf Socken und Zehenspitzen, lief der Stürmer über die spitzen Steine, der Fuß schmerzte bei diesem ausgewählten Pfad. Für eine Frage an den Trainer drängelte er sich höflich vor und siezte ihn. Der Respekt vor Bruns war auch Knappmann anzumerken, dem 1,95-Meter-Schrank, der in der letzten Regionalliga-Saison auf nicht weniger als 30 Tore kam. Und auch im Testspiel gegen Eintracht Trier war der Torjäger der kleine Unterschied in einer ausgeglichenen Begegnung, als er in der 74. Minute per Elfmeter zum 2:1-Sieg für den Wuppertaler SV traf. Der Ball war Torge Hollmann kurz zuvor an die Hand gesprungen, der Kapitän reklamierte vergeblich, Knappmann nutzte das Geschenk, per Innenpfosten trudelte das Leder ins Netz. Es war nicht das einzige Mal an dem Tag, dass der Tross von der Mosel Aluminiumpech haben sollte.

Was im Liga-Alltag aber für mächtig Ärger und Enttäuschung gesorgt hätte, fiel in der Testspiel-Phase nicht sonderlich ins Gewicht. Eintracht-Coach Roland Seitz grummelte zwar auch über die erste Niederlage im dritten Vorbereitungsspiel, aber mit den Eindrücken konnte der Oberpfälzer wie beim 1:0-Erfolg gegen Alemannia Aachen zufrieden sein. Was sich bestätigte, war, dass der Defensivblock mit der Viererkette um Fouad Brighache, Hollmann, Steven Kröner und Fabian Zittlau, Sechser Baldo di Gregorio und Torwart Andreas Lengsfeld eine Perspektive hat. Auch, wenn es personell an den Alternativen fehlt.

Aluminiumtreffer und Elfmeter

Gegen die hochkarätig aufgestellte Mannschaft aus Wuppertal, die in der Regionalliga West erneut zu den Titelfavoriten gehört, präsentierte sich Trier über 90 Minuten gleichwertig. War es zwar der WSV, der in der ersten Hälfte mehr Spielanteile besaß und wenig Räume fand, verbuchte der SVE die besseren Chancen. Besonders über Christoph Anton, der für Überraschungsmomente sorgte und der in der Anfangsphase frei vor dem Tor am Pfosten scheiterte (12.). Alon Abelski hämmerte einen präzisen Freistoß ans Lattenkreuz (43.). Die größte Möglichkeit für Wuppertal vergab im ersten Durchgang André Wiwerink, der mit einem Kopfball an Keeper Lengsfeld scheiterte (17.).

Turbulent startete dann der zweite Durchgang, in dem der WSV acht Wechsel vollzog. Marcel Landers nutzte einen feinen Pass von Robert Mainka und schob zum 1:0 ein (49.). Kurz darauf gab es Elfmeter für die Eintracht, als Testspieler Markus Fuchs von WSV-Torhüter Martin Klaffelsberger gelegt wurde. Baldo di Gregorio scheiterte aber mit einem schwachen Schuss an dem Schlussmann, der sein regelwidriges Eingreifen prompt vergessen machte (53.). Doch die Wuppertaler Freude währte nicht lange, Alon Abelski bugsierte den darauffolgenden Eckball direkt zum 1:1 ins Netz (54.).

Eine Belohnung für den Regisseur, der in dieser Woche noch eine Extraschicht in Sachen Standardsituationen schob. „Das Spiel darf man nicht überbewerten, aber von der Qualität her bewegten sich beide Mannschaften auf einem ähnlichen Level“, fand WSV-Trainer Bruns auch ein Lob für den Gegner aus Trier. Seitz war ebenfalls einverstanden mit den Eindrücken: „Wer einen Elfmeter verschießt und gleich zweimal das Aluminium trifft, kann mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Aber es war ein gutes Spiel mit einem hohen Tempo.“

Testspieler Fuchs und Watzka auch in Trassem dabei

Einverstanden war der Oberpfälzer mit der 4-1-4-1-Taktik, die auch schon gegen Aachen gefahren wurde. Dabei experimentierte er erstmals mit dem Spielmacher-Tandem aus Christoph Anton und Alon Abelski. Impulse konnten die beiden Techniker setzen. „Das System liegt uns gut“, stellte Seitz fest. Eine Zwei-Stürmer-Aufstellung scheint auch so lange kein Thema zu sein, bis ein neuer Angreifer gefunden ist. Am liebsten ein Typ wie Knappmann, der sich nach seinem Gespräch mit Bruns wieder in Richtung der Mannschaftskollegen schlich.

Ob Markus Fuchs der Mister X sein wird, der für die Spitze so sehnsüchtig gesucht wird, bleibt weiter offen. Der Ex-Saarbrücker zeigte in seinen 68 Minuten gegen Wuppertal eine gute Mentalität, ging mit viel Engagement den Bällen hinterher, setzte seinen Körper ein. Zugleich hing er in der ersten Halbzeit lange Zeit in der Luft. Mit Maximilian Watzka (zuvor RB Leipzig) kam ein zweiter couragierter Probespieler zum Einsatz, dem noch die Bindung ans Spiel fehlte, um ein Urteil bilden zu können. Das Duo soll, so Seitz, am Donnerstag beim nächsten Test gegen die SG Schoden in Trassem (19.30 Uhr) erneut zum Einsatz kommen. Chhunly Pagenburg (Muskelverhärtung nach einem Pferdekuss) und Fahrudin Kuduzovic (Rückenprobleme) dürften da möglicherweise noch geschont werden.

Statistik

Eintracht Trier – Wuppertaler SV 1:2 (0:0)

Trier: Lengsfeld – Brighache, Kröner, Hollmann, Zittlau – di Gregorio – Lewerenz, Abelski, Anton, Watzka (76. Spang) – Fuchs (68. Sözen).

Wuppertal: Semmler – El Hammouchi (65. Radojewski), Polk (46. Haas), Wiwerink, Wolf (46. Herzenbruch) – Fleßers (46. Moosmayer), Abel (46. Reichert) – Wassinger (46. Landers), Mainka (65. Weggen), Cornelius – Quotschalla (46. Knappmann).

Tore: 0:1 Landers (49.), 1:1 Abelski (54.), 1:2 Knappmann (74., Handelfmeter).

Video mit Spielszenen und Stimmen

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