Interview mit Franco Foda: „Eine gewisse Rivalität herrscht vor“

Von Florian Schlecht

Er will mit Kaiserslautern in die Bundesliga, hat seinen Lieblingsitaliener wiedergefunden – und lobt die Fanaktion an der Mosel. Vor dem Testspiel bei Eintracht Trier am Samstag (14 Uhr) hat 5vier ein Interview mit FCK-Trainer Franco Foda geführt.

5vier: Am 4. Februar startet der 1. FC Kaiserslautern in die Rückrunde der 2. Bundesliga. Wie bewerten Sie den bisherigen Stand der Winter-Vorbereitung und an welchen Verbesserungen feilen Sie noch?

Franco Foda: Die Vorbereitung hat gerade erst begonnen, aber es ist sehr deutlich, dass meine Spieler gut mitziehen und wir intensiv arbeiten. Mein Trainerteam und ich haben sehr konkrete Vorstellungen, woran wir in den kommenden Wochen arbeiten werden – es gibt in jedem Bereich etwas zu tun.

5vier: In Trier wird dem Testspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern als Highlight der Winter-Vorbereitung entgegen gefiebert. Welchen Stellenwert haben die 90 Minuten für Ihre Mannschaft?

Franco Foda: Wir nehmen jedes Testspiel ernst und wollen es erfolgreich bestreiten, da mache ich keinen Unterschied, ob es gegen eine unterklassige Mannschaft oder ein Spitzenteam geht. Die Mannschaft bekommt bestimmte spieltaktische Vorgaben und diese sollen umgesetzt werden.

5vier: Erwarten Sie mit Eintracht Trier einen echten Härtetest und was wissen Sie von der Mannschaft?

Franco Foda: Zu meiner aktiven Zeit war mir Trier präsenter und eine gewisse Rivalität herrscht ja auch zwischen den Clubs vor. Die Eintracht hat im DFB-Pokal ein ums andere Mal positiv auf sich aufmerksam gemacht.

5vier: In Trier hatten die Fans angesichts des fehlenden Geldes in den Vereinskassen die Idee, für einen Angreifer spenden zu wollen, um die Aufstiegschancen zu erhöhen. 7.500 Euro sind schon zusammen gekommen. Wie bewerten Sie eine solche Aktion?

Franco Foda: Da fehlt mir Hintergrundwissen, es ist aber grundsätzlich immer zu befürworten, wenn Fans sich zum Wohle des Vereins engagieren.

5vier: Ist eine solche Idee zukünftig ein interessantes Geschäftsmodell für den Fußball?

Franco Foda: Das hängt sicherlich von den Rahmenbedingungen des jeweiligen Vereins ab, aber wie gesagt, wenn Fans helfen wollen und sich sinnvoll einbringen, ist das immer eine tolle Sache.

5vier: Als Spieler haben Sie 102 Pflichtspiele für die Pfälzer bestritten, im Sommer kehrten Sie als Trainer an die alte Wirkungsstätte zurück. War in Kaiserslautern immer noch alles beim Alten – oder hat sich im Vergleich zu früher etwas verändert?

Franco Foda: Es hat sich natürlich einiges verändert. Das Stadion ist nicht mehr mit dem damaligen zu vergleichen und die Infrastruktur ist auf allen Ebenen gewachsen. Aber ich habe mich dennoch gut und schnell zurecht gefunden – unseren Lieblingsitaliener haben wir sofort wiedergefunden…

5vier: Wie lange hat es gedauert, bis die Mannschaft das Umfeld nach dem enttäuschenden Abstieg für sich gewinnen konnte?

Franco Foda: Es war sicherlich keine einfache Situation nach dem Abstieg, aber meine Mannschaft hat sich den Rückhalt der Fans durch gute Leistungen und Ergebnisse wieder zurückerarbeitet. Schon in der Sommervorbereitung haben uns beim Auftakttraining oder den vielen Testspielen in der Region immer hunderte oder tausende Fans begleitet – die Region steht hinter dem FCK und wir alle wollen gemeinsam unser großes Ziel erreichen.

5vier: In der Hinrunde konnte Kaiserslautern auf Anhieb in der Spitzengruppe mitspielen. Was hat die Mannschaft bis jetzt ausgezeichnet?

Franco Foda: Wir haben eine sehr gute Serie mit 16 Spielen ohne Niederlage gespielt und das kam sicher nicht von ungefähr. Dahinter lag sehr viel harte und konzentrierte Arbeit. Aber die drei Spiele vor der Winterpause haben auch aufgezeigt, dass wir noch sehr viel lernen müssen und es noch einiges zu verbessern gibt.

5vier: Woran fehlte es in diesen Spielen?

Franco Foda: Wenn man die Spiele gesondert betrachtet, dann haben wir nur in Berlin in keiner Phase umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Da waren wir nicht präsent und haben verdient verloren. Bei allen anderen Spielen waren wir besser oder gegen Hertha BSC auf Augenhöhe. Wir werden nun die Vorbereitung nutzen, um die Weichen für eine erfolgreiche Rückrunde zu setzen.

5vier: Was bei einem Blick auf die Mannschaft auffällt, ist das geringe Durchschnittsalter. Hat sich das Konzept bewährt und wird es vom Umfeld angenommen?

Franco Foda: Für mich geht es immer nur nach Leistung, das Alter ist sekundär. Unsere Nachwuchsspieler haben sich ihre Einsätze durch Leistung verdient und sind auf einem guten Weg. Sie haben aber auch die größte Herausforderung noch vor sich, denn es gilt für sie nun, Konstanz auf hohem Niveau zu beweisen.

5vier: In die Philosophie passt auch die Verpflichtung von Winter-Leihgabe Mitchell Weiser vom FC Bayern. Was erwarten Sie sich von ihm?

Franco Foda: Mitchell Weiser kann unser Spiel variabler machen und erhöht die Qualität in unserem Kader. Er ist ein sehr großes Talent und ich bin zuversichtlich, dass er uns weiterhelfen wird.

5vier: Eintracht Braunschweig und Hertha BSC Berlin haben auf den direkten Aufstiegsplätzen schon einen erheblichen Vorsprung. Ist das Duo auf dem Weg in die Bundesliga überhaupt noch aufzuhalten?

Franco Foda: Natürlich ist der Abstand schon sehr groß, aber es gibt seit Einführung der Drei-Punkte-Regel genügend Beispiele, bei denen solche Rückstände aufgeholt werden. Aber hierfür müssen wir erst einmal unsere Spiele gewinnen. Wir schauen also nur auf uns und auf unsere Aufgabe.

5vier: Worauf wird es ankommen, dass der FCK am Ende im Aufstiegsrennen die Nase vorne hat.

Franco Foda: Wir müssen und werden hart arbeiten und uns auf unsere Aufgabe konzentrieren, dann können wir einen der drei Plätze erreichen. Und wenn es der Relegationsplatz ist, werden wir auch das meistern.

Zur Person:

Franco Foda wurde am 23. April 1966 in Mainz geboren. Unter anderem für den 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen und den VfB Stuttgart bestritt er in seiner aktiven Karriere 321 Bundesligaspiele (20 Tore). Zudem kam er auf zwei Einsätze in der deutschen Nationalmannschaft. Nachdem er seine Spieler-Laufbahn bei Sturm Graz beendete, integrierte ihn der österreichische Erstligist in den Trainerstab im Nachwuchsbereich. Von 2006 bis 2012 arbeitete Foda als Coach der ersten Mannschaft, die er 2010 zum Pokalsieg und 2011 zur Meisterschaft führte. Seit dem Sommer ist der Sohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters neuer Trainer in Kaiserslautern. Nach der Hinrunde stehen die Pfälzer hinter Eintracht Braunschweig und Hertha BSC auf dem Relegationsplatz zur Bundesliga.

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