Kolumne: Paddy Klink – “Live your heart and never follow…”

Geschafft, die wilde Fastnachtszeit ist vorbei! Drei Kreuzzeichen! Alaaf und Helau!

5vier.de-Kolumnist Paddy Klin

Ganz schnell fallen mir da meine Jugendsünden ein. Keine Ahnung, wie viele Jahre das schon her ist, aber vor einer gefühlten Ewigkeit war ich sogar schon auf einem Fastnachtswagen beim Trierer Umzug am Start. Seinerzeit mit der Band Nessaya, deren Gitarrist am Umzugstag kurzfristig ausgefallen ist und ich genauso kurzfristig eingesprungen bin. Dort konnte ich dann voll und ganz unter Beweis stellen, dass ich mal eben gar nichts drauf habe. Quasi über Nacht habe ich versucht, mir die Akkordfolgen der geplanten Songs zu merken und habe es beim Umzug auf sage und schreibe den Refrain des damaligen Hits „Let me in“ geschafft. Zu allem Überfluss ist mir nach den ersten paar hundert Metern des Umzuges eine Gitarrensaite gerissen. Wenn ich auch nicht wirklich gut Gitarre spielen konnte, so wusste ich aber schon damals, dass es sich für einen richtigen Rockstar gehört, immer eine Ersatzgitarre dabei zu haben. Die hat mir damals den Arsch gerettet. Nun ja. Damals. 2011 habe ich den ganzen Fastnachtstummel in meinen vier Wänden verbracht. Oder im Proberaum. Dort ist nämlich bei uns das ganze Jahr über Karneval. 😉

Mit Jupiter Jones an der Uni

Voll waren vor Kurzem an der Trierer Uni nicht die Leute, dafür aber das Studihaus: Am Tag der CD Veröffentlichung geben sich die Jungs von Jupiter Jones in der „Hauptstadt ihrer Heimat“ die Ehre vor 200 Gästen, die ihre Eintrittskarte gewinnen mussten. Käuflich erwerblich gab es die dieses mal nicht! Somit konnte man sich gleich doppelt glücklich schätzen, diesen ganz besonderen Abend selbst miterleben zu können. Alternativ wurde das Konzert Live über das Campus Radio übertragen. Zwischen den Songs gab es kleine Interviews mit den Musikern. Mal was anderes. Doch die Leute, die da waren, wussten ohnehin schon, wer da auf der Bühne stand.

{link url="http://5vier.de/campus-jupiter-jones-konzert-fur-das-campusradio-im-studihaus-31501.html"}Jupiter Jones zu Gast an der Uni Trier{/link}, Foto: Sebastian Minas

Sie scheinen es geschafft zu haben. Oder zumindest auf dem besten Weg dorthin zu sein, wo sie sich mittels harter Arbeit und unermüdlichem Einsatz immer hin gesehnt haben: auf den Rock-Olymp! Klar – der Weg ist sowieso das Ziel… Für mich sind JUPITER JONES heute schon meine persönlichen musikalischen Helden aus der Heimat! Daumen ganz weit nach oben!

Meine Jupiter Jones Story beginnt so um 2002 und 2003 in der Berufsschule, als mir mein Klassenkamerad aus der Eifel immer wieder von den Jungs vorschwärmt. So lange, bis ich ihm endlich sage: Bring doch mal mit, ich hör‘s mir mal an! Monatelang „gammelt“ eine gebrannte CD im Handschuhfach oder im Schulrucksack vor sich hin, bis ich die Zeit und Muße finde, mich der Musik zu widmen. Leckmichamarschklingtdasgeil! Und schon hatten sie mich! Zum Glück. Die Original CD zu meinem verschrammelten Mixtape gab‘s kurze Zeit später von Amazon und weiter geht’s. Ich konnte mir nie so richtig vorstellen, wie „groß“ die Band ist und wo ich sie einordnen soll. Aber schon alleine von den Erzählungen meines Berufsschul-Kollegen hatte ich seit Anbeginn das Gefühl: die SIND schon WER! Übrigens… DANKE Andreas! 🙂

Foto: Sebastian Minas

Irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt erfahre ich von einem Konzert, bei dem die Jungs mit weiteren Bands zu sehen sein werden, mit denen ich seinerzeit etwas mehr zu schaffen hatte. Alla hopp. Hin da! Der erste Eindruck ist selbstverständlich der wichtigste: Oleck, geil! Einige Zeit später bekommen wir die Chance, mit PROJECT 54 im Vorprogramm der Jungs zu spielen und ich freu mich wie bekloppt. Die Chance beim Schopfe ergriffen und direkt mal die CD zum Signieren mitgeschleppt. (Das ist wohl mein Laster… wenn‘s nach mir ginge, würden in meinem CD Regal NUR signierte CDs stehen!) Live sind Jupiter Jones einfach nur ein Feuerwerk! Das kann man nicht anders sagen. Und gleichzeitig so bodenständig und „zum Anfassen“… die Mischung macht’s!

Einige CDs und (gemeinsame) Auftritte später tut sich was im Lager! Der Hype um das self-titeled Album ist nicht zu verleugnen. Facebook platzt aus allen Nähten von Werbe-Statusmeldungen und Infos kurz vor Album-Release. Man weiß auch, warum! Das Teil soll einschlagen wie eine Bombe! Und guten Freunden gibt man doch ein Küsschen! Zwar zahlt sich das Selbst-Management und sowieso das DIY-Prinzip voll und ganz aus, was unbezahlbare Erfahrungswerte mit sich bringt, dennoch reicht dies alles nicht für den ganz großen Coup. Hierbei werden sie nun von einem Plattenriesen unterstützt, der schon mal die etwas größeren Steine auf dem Weg nach oben aus dem Weg rollen sollte. Ich freu mich so – ohne Scheiß! Als wäre man selbst ein Teil der Band. Aber DAS ist es auch, was die Verbindung Fan/Freund-Band ausmacht! Und nur so gewinnt man die Herzen der Zuhörer! Am Vorabend meines letzten Arbeitstages in meiner alten Firma stelle ich während meines Back-Marathons für meine Ausstand-Muffins das Radio an und SWR 3 sendet „Still“. Geil! Besser geht‘s nicht. Von mir aus den ganzen Tag lang! Stunden später versende ich meine Abschieds-Mail an die ganze Firma mit einem Zitat aus Hermann Hesse’s „Stufen“, welches ich auch nur durch JJ’s „Raum um Raum“ kenne. Das ist doch echt pervers (geil)!

Intime Konzertatmosphäre und Songtexte, die unter die Haut gehen

Man braucht die Herren auf der Bühne nicht wirklich zu interviewen, um zu wissen, wie es ihnen geht, was sie fühlen oder wohin die Reise gehen soll. Das alles strahlen sie aus und senden ihre Message über die Boxen, die die Klänge der neuen Album-Tracks wiedergeben – halt nur akustisch. Eine absolute Stärke der Band. Intime Konzertatmosphäre und Songtexte, die unter die Haut gehen.

CUT! Dies sollte nun die Stelle werden, an der ich Jupiter Jones mit lauten Lobpreisungen überhäufe. Was meine Kolumne nicht wusste: Ich hab mir die Visions gekauft und im Kino die Uncle Sally’s mitgenommen. Und in beiden Magazinen: Mindestens eine Doppelseite über die aufstrebende Band aus der Eifel – direkt neben Itchy Poopzkid und den noch etwas berühmteren Herren von Rise Against. Irgendwie finde ich es fehlplatziert, nun auch noch den gleichen Senf dazu abzugeben, den andere schon doppelt und dreifach aufgetragen haben. Och nee… Jungs, ich liebe euch und eure Musik, weiß das was ihr tut vielleicht mehr zu schätzen als manch anderer „Konsument“ und freue mich, wenn ich vielleicht den ein oder anderen Zweifler noch zum Kauf Eures Albums bewegen kann. Aber die große Werbetrommel will ich nun auch den großen Schreibern überlassen!

Sowieso – das Gefühl, welches beim Live-Genuss entsteht, kann man nur selbst inhalieren. Das alles wird nicht von den unzähligen Handy- und Digicams festgehalten, die im Saal in die Höhe gehalten werden. Nächstes Thema! Wozu geht man zum Konzert? Mein erstes Green Day Konzert in Köln (ich glaube 1996 oder 1997 war das…) habe ich für 15 DM erlebt. Damals war Mosh Pit angesagt. Rumgespringe und Rumgetanze bis zum Abwinken. Bei Konzertende musste ich dann leider feststellen, dass ich ja eigentlich nicht so wirklich viel von meinen Amerikanischen Idolen mitbekommen hatte. Es liegt also auch nicht am Alter, dass man konzerttechnisch ruhiger wird und sich freiwillig etwas weiter hinten (oder oben… z.B. im Atelier Luxembourg oder im E-Werk in Köln) platziert und die anderen tanzen lässt und sich selbst die volle visuelle Dröhnung gibt. Und wozu das alles aufnehmen? Man sieht es sich eh nie wieder an! Vielleicht ein youtube-upload und ein paar Views. Ist das Selbstverherrlichung? (Sorry, hier läuft grad wieder Fight Club, der mir unterbewusst zu erklären versucht, dass es völlig ausreicht, wenn man das Konzert selbst intensiv miterlebt hat. Davon braucht man dann keine Aufnahme mehr! 😉 )

Auf nach Wittlich

Genauso wie vom weiteren Abendverlauf nach dem Jupiter Jones Spezialauftritt. Auf nach Wittlich! Im Haus der Jugend findet „Dancing Queen Vol. 1″ statt. Eine von der Band Dancing at my disco ins Leben gerufene Konzertreihe. Leider haben sie ihre eigene Veranstaltung selbst als Band nicht mehr erlebt, weil sie sich vorher aufgelöst haben. Schade. Dennoch – super Bands, viele Konzertbesucher, geniale Stimmung! Wir kamen pünktlich zum Spielbeginn der Westerwälder „The Grandtry“ an. Krasses Kontrastprogramm im Vergleich zum Studihaus! 1 A Punkrock! Selten so was Mitreißendes erlebt. Leider spiegeln die Aufnahmen auf der myspace Seite nicht im Geringsten das wider, was die Truppe Live auf die Bretter bringt. Also: jede Chance nutzen, the Grandtry mal live und in Farbe zu erleben! Trotzdem: Reinhören erwünscht!

Kurz danach rotzen HIS STATUE FALLS ihr Programm in die Menge – und die geht steil! Unfassbar. Die Mischung aus Techno, Hardcore, Punkrock… was weiß denn ich…? Der Plan geht auf! Ich kannte zuerst nur den „affigen“ Bühnensport, den ich jedoch nach Kennenlernen der Band bei jeder Gelegenheit viel zu gerne „nach-äffe“. Falls sich also hier noch jemand etwas depressiv müde oder lustlos fühlen sollte, der schmeißt am besten gleich ganz laut die Musik dieser Band an!

Ich muss jetzt mal eben voller Elan Richtung City düsen und meine Kolumne, die ihr gerade gelesen habt, ausnahmsweise persönlich abgeben – die Redaktion wird sich freuen! 🙂

Bis dahin: Checkt unbedingt die neue Jupiter Jones CD, The Grandtry und His Statue Falls!

In diesem Sinne: LET THERE BE ROCK!

Euer Paddy

Unbedingt vormerken:

  • NEW NOIZE NIGHT, 12. März 2011 Exit 07 mit Angel at my Table, Lumi, Slim Suzie, Anthem oft he Sun
  • DIEFESTival im Atelier Luxembourg Hollerich am Donnerstag, 14. April 2011 (ab 14 Uhr)
u.a. mit PROJECT 54, VERSUS YOU und vielen anderen!
  • JAVISST! Schweden-Warm-Up Tour mit DEVILED (SWE), VERSUS YOU (LUX) und PROJECT 54
 Donnerstag, 28. April 2011 Circus Maximus, Koblenz (präsentiert von ROCKBUSTER), + Special Guest!
Freitag, 29. April 2011 Cafe Rocas Luxembourg City
Samstag, 30. April 2011 Ex-Haus Trier, Balkensaal

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