Onanierende Elefanten

Eine postpostmoderne Kampfansage von Thaddäus Zucker in Trier

Und die Künstlerszene im Karl Marx Viertel wächst. Vor kurzem wurde erst das Karl Marx Viertel Straßenfest gefeiert, bei denen sich neben einigen Restaurants auch das Atelier von Laas Koehler in der Karl Marx Straße 9 kreativ beteiligte. Dieses Wochenende geht es dann mit der Kunst weiter, wenn der Künstler Thaddäus Zucker uns eine Performance darbietet.

Trier. Ich bin Kunst- und du bist nix. Nun das erste mal, live und in Farbe, in der ältesten Stadt Deutschlands.

Der blaue Elephant, der im Park onaniert, ist eine postpostmoderne Kampfansage an die Vernunft. Mal im Kollektiv, mal Solo, mit Thaddäus Zucker als Hohepriester der elefantösen Liturgie, unterwegs seit 2012. Und bereits zwei Mal als Voract für die Hamburger Kombo Hgich.T am Start. 

Die „neue Legende, die man sich auf Bayreuths-Straßen schon heute erzählt und welche ebenfalls in hundert Jahren noch von Bedeutung sein wird. Jean-Paul, Richard Wagner und der blaue Elefant… Nicht wegzudenken“. Oder, wie der Nordbayerische Kurier einst schrieb: „Die Zuschauer jubeln; ernst nehmen muss man das Spektakel nicht.“

Das Konzept stellt eine multimodale Schnittstelle verschiedener Traditionsebenen dar. Er bedient sich zunächst einmal des Musters der Popkultur: Scheinbare Lieder, im ersten Moment klare Beats, Pausen zwischen den Einheiten. Auf dieser Grundlage jedoch werden Elemente hinzugezogen, die eher dem Dadaismus, der Fluxusästhetik oder der Avantgarde hinzuzuordnen sind. Surreale, teilimprovisierte Texte, Einbezug des Publikums, Emotion, Bewegung, rasselnde Kettensägen, Dosenbier, wilde Verfolgungsjagden durch die Abgründe des Seins, mit leckeren Bananen. Und Chips. Telefonbücher,Grablichter, Tageszeitungen,Discounter,Wurstmorde. Ein Spektakel der anderen Art, irgendwo zwischen Dada, Trash, Poesie, Schlingensief, Stockhausen,Jonathan Meese und Absturz auf der Technoparty. Somit stellt das Sein des Elefanten eine Demonstration der Paradigmen der Postpostmoderne dar. Die traditionelle, strukturalistische Grenze zwischen legitimer Hochkultur und niederer Alltagsfeierkultur wird ertränkt in einem Meer aus Fragen, Zitaten, Anleihen und Geschranze, so dass der geneigte Zuschauer nur da steht und sich fragt- was sehe ich da? Verwirrung, Begeisterung, aber auch Zweifel und Ablehnung- all das hat der Elephant in seinem Bestehen erfahren. Es ist und bleibt eine spannende Reise. Und mit „Musik“ hat das nix zu tun. 

Wer an diesem Dickhäuter in unserem immer weiter aufblühenden Viertel interessiert ist, sollte am Freitag um 19.30 mit dabei sein. Dann führt Thaddäus Zucker uns im KM9 in der Karl Marx Straße 9 eine klangliche Performance vor.

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