1800 Kilometer in fünf Tagen und ein Lob aus Braunschweig

Von Florian Schlecht

Nach drei Pflichtspielniederlagen in Folge ist die TBB Trier in Braunschweig gefordert (Samstag, 19.30 Uhr). „Wir werden ohne Überheblichkeit ins Spiel gehen“, sagt Coach Henrik Rödl, der den ersten Auswärtserfolg seit dem 24. November 2012 feiern will. Bei einem Fan aus Braunschweig wird die Philosophie aus Trier in einem Basketball-Forum überschwänglich gelobt. 

Gelobt und gefordert: Die TBB Trier mit Mathis Mönninghoff und Andreas Seiferth (v.l.) hofft auf einen Sieg in Braunschweig. Foto: Thewalt

Die TBB Trier ist im Dauerstress zwischen dem Pokal-Aus in Ulm und dem Liga-Alltag in Braunschweig am Samstag (19.30 Uhr). Innerhalb von fünf Tagen reist der Tross des Basketball-Bundesligisten knapp 1.800 Kilometer durch Deutschland. Nachdem das „Final Four“ in Schwaben verpasst wurde, soll nun mit einem Sieg in Niedersachsen wenigstens der Playoff-Platz möglichst hartnäckig verteidigt werden. „Ich hoffe, dass die Mannschaft die Energie hat nach dieser schweren Woche. Um in Braunschweig zu gewinnen, ist eine hohe Konzentration erforderlich“, warnt Trainer Henrik Rödl. So will er den Rivalen, der auf dem vorletzten Platz steht, nicht an der Tabelle und der damit verbundenen Abstiegsgefährdung messen. „Wir fahren nicht mit Überheblichkeit nach Braunschweig. Die hatten eine Woche Zeit, sich auf das Spiel vorzubereiten, wir nur zwei Tage. Außerdem haben sie uns ja in Trier geschlagen. Das bedeutet, dass sie nicht so schlecht sein können.“

Tatsächlich sorgte Braunschweig im ersten TBB-Heimspiel der Saison für bittere Enttäuschung in der Arena. Mit 72:70 siegten das Team von Headcoach Kostas Flevakaris an der Mosel, nachdem der letzte Angriff durch Harding Nana vollendet wurde. Seitdem ist die Saison aber bei beiden Klubs gegensätzlich verlaufen. Während sich Trier in der oberen Tabellenhälfte etablierte und die Qualifikation für das Pokal-Viertelfinale schaffte, fürchten die Phantoms das Abstiegsgespenst.

Etwas Glanz hat sich Braunschweig in Person von Dennis Schröder bewahrt, der bereits die TBB vor eine echte Härteprobe stellte. Mit 16 Punkten drehte der 19-jährige Rohdiamant im Hinspiel auf, der als das größte Spielmachertalent des Landes gilt. Die Riesen der Bundesliga-Branche wie Alba Berlin haben schon Interesse an dem Talent angemeldet, das mit 12,4 Zählern pro Spiel und 3,4 Assists als jüngster Allstar aller Zeiten debütiert hat. „Er spielt eine sehr gute Saison, wir müssen ihn ernst nehmen“, weiß Rödl. Schröder alleine reicht bislang aber nicht, dass Braunschweig dem Keller entkommt. Die letzten sechs Spiele wurden verloren. Als Folge wurde beim Personal nachgelegt. Vom tschechischen Routinier Lubos Barton (32) erhofft sich Trainer Flevarakis „Ruhe und Stabilität in schwierigen Situationen“.

Lob an Chikoko: „Er hat die letzten Spiele sehr gut gemacht“

Henrik Rödl, TBB Trier. Foto: ThewaltHenrik Rödl erkennt beim Gegner so eine ganz neue Qualität. In erster Linie hat er aber sein Team im Blick.  Nach den drei Pflichtspielniederlagen in Folge gegen Ulm (eine im Pokal, eine in der Liga) und gegen Würzburg hofft der Coach auf eine Trendwende, die wieder für frische Euphorie sorgen würde. Der letzte Auswärtssieg der TBB datiert vom 24. November 2012 in Würzburg. „Das ist schon eine Weile her“, weiß der Europameister von 1993, der zuletzt aber auch positive Ansätze sah. So wie Center Vitalis Chikoko (20), der in den beiden Partien gegen Ulm einen sichtbaren Schritt nach vorne machte. „Er hat die letzten Spiele sehr gut gemacht“, freut sich Rödl. In Braunschweig, so weiß er, muss aber das gesamte Team glänzen.

Bei den Niedersachsen wird der Weg in Trier dagegen schon mit Lobeshymnen bedacht. Das Zitat eines Fans im Basketball-Forum von „Schönen Dunk“ ist schon auf der Facebook-Seite der TBB gelandet. „Ich werde natürlich in die Halle gehen gegen Trier, klar. Aber wenn Trier gewinnt, ganz ehrlich, ich gönn‘ es denen. Ich hab die gegen Ulm gesehen. Der Rödl gefällt mir, das Team gefällt mir. Die versuchen alles. Alle. Immer, bis zum Schluss. Ohne Star. Ohne Allüren. Harte Arbeit, junge Deutsche, die sich nicht wie NBA-Stars vorkommen. Find ich gut. Bin ich echt neidisch drauf.“ Auch Trainer Rödl werden die Worte freuen. Um Punkte einzufahren, muss sein Team diese aber bestätigen. „Dort müssen wir als Kollektiv gut auftreten.“

+++TBB in Kürze+++

Livestream aus Braunschweig – Der Livestream startet am Samstag gegen 19.10 Uhr. Dieses Mal kommentieren Dennis Schwalm (Radiomoderator und Basketball-Experte aus Bremerhaven) sowie TBB-Pressesprecher Tom Rüdell aus Braunschweig. Der Stream ist abrufbar auf der rechten Seitenleiste von 5vier. Sprungball ist um 19.30 Uhr.

FC Bayern komplettiert „Final Four“ durch Sieg in Bamberg – Überraschung im Pokal. Der FC Bayern entthronte Double-Sieger Bamberg durch einen 77:69-Erfolg im Viertelfinale des Basketball-Pokals. Der Lohn für das Team von Svetislav Pesic: Die Qualifikation für das „Final Four“ in Berlin am 23./24. März. Ebenfalls dabei sind Gastgeber Alba Berlin, die Artland Dragons und ratiopharm Ulm, das die TBB Trier ausgeschaltet hat.

Tätlichkeit hat Nachspiel für Ray – Ein Nachspiel hat der Pokal aber auch für Ulm: Allan Ray wird wegen einer Tätlichkeit an TBB-Aufbauspieler Jarrett Howell für ein Pflichtspiel gesperrt und muss eine Geldstrafe von 2300 Euro bezahlen.

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