Will hier jemand Krieg?

Der Trierer Bischof Ackermann äußert sich befürwortend zum Militäreinsatz gegen den IS

Ich musste meine Augen reiben, hatte ich doch vor der Presseinformation der Bischöflichen Pressestelle mit Sitz in der Trierer Mustorstraße (vgl. Text unten), einen Aufruf der Trierer Arbeitsgemeinschaft Frieden zur Mahnwache gegen den deutschen Kriegseinsatz in Syrien erhalten.

Die katholische Kirche befürwortet den Krieg?, fiel mir da unmittelbar als Frage ein und der Satz vom Trierer Bischof Ackermann „Das verstärkte – auch militärische – deutsche Engagement im Kampf gegen den IS bedeutet die Übernahme langfristiger Verantwortung in der Region“, ließ mich sofort an die 14 Jahre „Verantwortung“ in Afghanistan denken und ließ mich an Sahra Wagenknechts Rede in Trier denken ( vgl. unseren Beitrag ).

Trier / Syrien / die Welt. „Will hier jemand Krieg?“, ist meine laute Frage an alle Leser. Im Anbetracht dessen, dass Menschen zu uns kommen, um einem Krieg in ihrem Land zu entkommen. Was bedeutet Bomben zu werfen? Es bedeutet IMMER Tot, Zerstörung, Wut. Und diese Wut ist die unmittelbare Reaktion, die als Welle, als Emotion, als Bumerang nach Europa kommt. Wut ist Hass, blinde Wut ist potenzierter Hass, der – in welcher Form auch immer – zerstören will.

Die Reaktion auf den 11. September 2001 war Waffengewalt – waren keine diplomatische Lösung, sondern eine blinde Lösung: Rachegelüste. – Die Reaktionen des 13. November 2015 sind auf dem Weg zu Rachegelüsten zu werden.

Du hast töricht getan, darum wirst du von nun an Krieg haben (2. Chron. 16,9)

Oder um von der Bibel einen preußischen Militärtheoretiker namens Carl von Clausewitz sprechen zu lassen: “ Krieg kennt keine Sieger, jeder militärische Triumph erweist sich in Wahrheit als Niederlage aller Beteiligten.

Unter einem Bombenteppich entsteht kein Frieden sondern Widerstand.

5vier.de publiziert hier als erstes die Reaktion der Trierer Arbeitsgemeinschaft Frieden als Stellungsnahme zu der im folgenden notierten Presseinformation zu Bischof Ackermanns Position gegenüber dem Militäreinsatz der Bundeswehr in Syrien:

Markus Pflüger von der Arbeitsgemeinschaft Frieden hält den Bundeswehreinsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für unverantwortlich und kontraproduktiv: ”Krieg ist das falsche Mittel. Diese Auseinandersetzung ist mit Krieg nicht zu gewinnen, er führt zu keiner Lösung der Probleme. Der Kriegseinsatz wird den Hass weiter schüren und den Terror des IS – auch bei uns – verstärken. Noch mehr Menschen werden zur Flucht gezwungen. Krieg schafft Grundlagen für noch mehr Terror! Wir müssen aus dieser Gewaltspirale aussteigen!

Wenn wir langfristig Verantwortung in der Region übernehmen wollen müssen Rüstungsexporte gestoppt werden. Wer Bomben sät wird Hass und Terroismuss erneten. Der Kriegseinsatz zerstört jede sinnvolle Entwicklungs- und Versöhnungsperspektive. Mit unsere Mahnwache: ”Kein deutscher Kriegseinsatz in Syrien“ werden wir am Freitag 11. Dezember von 17 – 19 Uhr am Kornmarkt in Trier deutlich machen dass der Einsatz Nicht in unserem Namen erfolgt.

Der Kriegseinsatz wird den Konflikt weiter anheizen und die internationalen Spannungen verschärfen. Deutschland wird dabei auf unabsehbare Zeit Kriegspartei, der Einsatz hat kein Mandat und kein Konzept, er wäre zudem völkerrechts­widrig.
Martin Luther King hat es sehr schön formuliert: „Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben; nur Licht kann das. Hass kann Hass nicht vertreiben; nur Liebe kann das.“ Deswegen werden wir nächsten Freitag mit Kerzen ein Zeichen gegen Krieg und Hass setzen – auf dass auch der Politik ein Licht aufgeht.

Die Unterstützer der Mahnwache fordern von der Bundesregierung:
– Kein Einsatz der Bundeswehr in Syrien. Stopp aller Waffenlieferungen in die Region.
– Austrocknung der Finanzierungs- und Einnahmequellen des „Islamischen Staates“ und anderer Terrormilizen beispielsweise durch Ölgeschäfte.
– Druck auf die regionalen Verbündeten wie Türkei, Saudi Arabien und Katar, damit diese jegliche Unterstützung der Terrororganisationen einstellen.
– Für einen innersyrischen Dialog, für eine politische Lösung des Konflikts.

Die Mahnwache ist eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft Frieden e.V. Trier und wird unterstützt von der DFG-VK Trier, Friedensinitiative Daun, Pax Christi Trier, Internationaler Versöhnungsbund Regionalgruppe Cochem-Zell, Initiativkreis gegen Atomwaffen Büchel, Die Linke Trier, Bündnis 90/Die Grünen Trier und Einzelpersonen. Mit weitere Unterstützer wird gerechnet.

Weitere Informationen www.agf-trier.de

gez. Markus Pflüger (AG Frieden – Pfützenstr. 1 – 54290 Trier)


_ 5vier.de publiziert hier den genauen Wortlaut der am 4. Dezember 2015 um 11.32 per E-Mail übermittelten Presseinformation der Bischöflichen Pressestelle Trier – „Mit der Bitte um Veröffentlichung“ (sic)

Europäischer Zusammenhalt bei Kampf gegen Terror ist wichtig

Bischof Ackermann zur geplanten militärischen Beteiligung im Kampf gegen den IS

Trier/Bonn – Aus Anlass der Beratung im Deutschen Bundestag über die verstärkte deutsche Beteiligung beim internationalen Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) hat der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Stephan Ackermann, Stellung genommen. Ackermann betont die Bedeutung des europäischen Zusammenhalts beim Kampf gegen den Terror: „Die Stärkung der europäischen Kooperation – wo zielführend auch militärisch – ist eine Voraussetzung für die geforderte langfristige Handlungsfähigkeit.“ Vor diesem Hintergrund sei die geplante militärische Beteiligung der Bundesrepublik gut nachvollziehbar.

Er verweist zugleich auf die Notwendigkeit, eine langfristig tragfähige politische Perspektive auf der Basis internationaler Vereinbarungen zu entwickeln: „Das verstärkte – auch militärische – deutsche Engagement im Kampf gegen den IS bedeutet die Übernahme langfristiger Verantwortung in der Region. Dies kann nur gemeinsam mit den internationalen Partnern geschehen und erfordert auf Zukunft hin gesehen auch eine Entwicklungs- und Versöhnungsperspektive für die Region. Hüten wir uns davor, die Entwicklungen in der Region nur noch durch die Brille unserer eigenen Bedrohung zu sehen. Sonst verlieren wir den Blick für die Möglichkeiten, die Gewalt zu beenden und den Menschen in der betroffenen Region zu neuen Lebensperspektiven zu verhelfen“, sagt Ackermann.

Die Erklärung steht im Wortlaut unter www.justitia-et-pax.de zur Verfügung. Die Kommission „Justitia et Pax“ ist eine Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zur Förderung von Entwicklung, Menschenrechten und Frieden.

 

Foto: Raphael Wlotzki – Plakat: Arbeitstemeinschaft Frieden

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