Ausstellung in der Uni-Bibliothek: Zeichnungen erzählen vom Leben des Staatsmanns

Enkel Ludwig Theodor Heuss eröffnete die Ausstellung in der Uni-Bibliothek

Theodor Heuss – Politiker, Staatsmann, Journalist. Ergänzend zu diesen weithin bekannten Berufungen des ersten Präsidenten der Bundesrepublik richtet die Bibliothek der Universität Trier den Scheinwerfer auf eine weitere Begabung des Multitalents: den Zeichner Theodor Heuss. Auslöser der Ausstellung war eine Schenkung von zwölf Heuss-Zeichnungen, die der frühere Universitätskanzler Ignaz Bender der Bibliothek übergab. Ergänzt um zahlreiche weitere Exponate aus den Beständen der Bibliothek, entstand ein facettenreicher Blick auf Theodor Heuss, dessen Todestag sich am 12. Dezember zum 50. Mal jährt.

„Es ist schwieriger über Theodor Heuss als Zeichner zu sprechen als seine Zeichnungen sprechen zu lassen“, führte Prof. Dr. Ludwig Theodor Heuss zur Eröffnung der Ausstellung aus. „Ich erinnere mich zwar nicht mehr an ihn, aber ich war immer wieder bemüht, mich seiner Person zu nähern“, beschrieb er das Verhältnis zu seinem Großvater. Beim Staatsbegräbnis 1963 war er gerade zweieinhalb Jahre alt.

Rund 450 erhaltene Zeichnungen und zahlreiche Skizzenbücher geben Zeugnis vom intensiven und kontinuierlichen künstlerischen Schaffen, das in den ersten Schuljahren seinen Anfang nahm. Theodor Heuss beschrieb sich als „vergnügten Dilettanten“, wenn er auf seine künstlerischen Ambitionen angesprochen wurde. Als Vierzigjähriger habe er Mitte der 20er-Jahre seinen Stil gefunden, beeinflusst von Albert Weisgerber, dem er eine Zeit lang nach Paris folgte: „Sein Strich wurde voluminöser, Kohle sein bevorzugtes Material“, so Ludwig Theodor Heuss.

Er zeichnete oder skizzierte auch Landschaften, die Architektur habe ihn jedoch viel stärker fasziniert, ordnete der Mediziner Ludwig Theodor Heuss die Sujets seines Großvaters ein. Bezeichnenderweise erstellte er an seinem letzten Amtstag eine Zeichnung der Villa Hammerschmidt. „Er war ein Mensch, der sich die Freiheit und Unbefangenheit genommen hat, einem Hobby nachzugehen“, charakterisierte der Enkel seinen Großvater. Das Zeichnen sei als eine kontemplative Form im Kontrast zum analytisch orientierten Arbeitsleben des Politikers und Journalisten zu verstehen, schloss Ludwig Theodor Heuss.

Diese Sichtweise teilte Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel, der in seinem Grußwort Heuss´ Leidenschaft für das Zeichnen als Ausgleich für den belastenden Alltag und wohl auch für das Durchleben der beiden Weltkriegskatastrophen bezeichnete.

„Form und Stil waren für Heuss lebenslang wichtige Themen. Er hat es verstanden, die Symbolik des Amtes von einer Schwäche in eine Stärke umzumünzen“, befand die Leitende Bibliotheksdirektorin Dr. Hildegard Müller in ihrer Begrüßungsansprache.

Die Ausstellung im Foyer der Universitätsbibliothek ist bis zum 3. Januar 2014 während der Öffnungszeiten der Bibliothek zu sehen:
montags bis freitags von 8 – 24 Uhr;
samstags von 8 – 19 Uhr und sonntags von 11 – 15 Uhr.

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln