„Das Rückspiel wird kommen“

Simon Schmitz im Interview (Teil 3)

Wie angekündigt, folgt der letzte Teil der Interviewserie mit Simon Schmitz. Da es beim letzten Spiel vielleicht etwas Glück brachte, veröffentlichen wir heute wieder pünktlich am Spieltag der RÖMERSTROM Gladiators Trier. Nach seinen Aussagen zu seinen Mitspielern und dem Standort Trier, spricht der Kapitän über sein Verhältnis zu Trainer Marco van den Berg und wie er die Feiertage verbringt.

Du hast zuletzt schon oft von der Philosophie gesprochen. Kannst du nochmal zusammenfassen, was sie überhaupt bedeutet und warum sie so wichtig ist?

Zusammengefasst wird die Philosophie auf das Schlagwort „INVICTUS“, also unbesiegbar. Nicht im Sinne dass man nie verliert, sondern wie man mit Situationen umgeht, dass man immer hart spielt und dass bei allem immer das Team im Vordergrund steht. Auch wenn wir ein Spiel mit 20 verlieren, darf der Gegner nicht das Gefühl haben, dass er uns besiegt hat. Das Rückspiel wird kommen (grinst).

Diese Philosophie passt aus meiner Sicht auch gut in die Stadt mit ihrer Geschichte. Wir haben nicht den größten Etat der Liga, kaufen uns nicht die besten Einzelspieler, aber wir haben eine Identität durch Kampf und Einsatz und gewinnen dadurch Spiele, keine Auszeichnungen. Wenn man dieser Denkart nicht folgt, ist man auch relativ schnell nicht mehr Teil des Teams.

Noch nicht ganz zufrieden mit der Umsetzung der INVICTUS-Philosophie Foto: RÖMERSTROM Gladiators Trier

In der Pressekonferenz nach dem überzeugenden Sieg über die Orange Academy aus Ulm sagte van den Berg, dass die Mannschaft in „psychologischen Situationen“ noch fragil ist. Siehst du das auch so? Und wie arbeitet man daran?

Natürlich wächst man da an gemachten Erfahrungen, die erst gesammelt werden müssen. Und es braucht, wie schon angesprochen, eine Hierarchie. Die gibt es nicht von Anfang an, es entwickelt sich über die Saison. Letztes Jahr hatten wir eine ganz klare Hierarchie, Jeder hatte seine Rolle gehabt und bestmöglich ausgefüllt. Dann entwickelt sich eine ganze eigene Teamdynamik. Aber auch das ist ein Prozess, den man nicht extra beschleunigen kann, das kommt erst mit der Zeit.

Merkst du eigentlich Nachteile, dass du Vegetarier bist? Der Trainer merkte zwischen den Zeilen an, dass du physisch dadurch begrenzt bist und sonst höher spielen könntest.

Marco hat da seine Meinung, aber Nachteile sehe ich eigentlich überhaupt nicht. Im Alter von 16, 18 oder 20 wurde ich oft gefragt, wie Vegetarismus und Leistungssport zusammengeht. In den letzten Jahren ist das Thema Ernährung aber immer aktueller geworden, da ist das überhaupt kein Ding mehr. So lange man weiß, wo man seine Kohlenhydrate-, Eiweiß- und Fettquellen hat, wie jeder Fleischesser das auch weiß, ist das kein Problem.

Du bist ja ein Schlüsselspieler von Marco, das zeigt eure gemeinsame Vergangenheit. Wie läuft es denn, wenn ihr Meinungsverschiedenheiten habt?

Wenn es um taktische Angelegenheiten geht, wie man zum Beispiel die Pick’n’Roll Verteidigung des Gegners attackieren will, trainieren wir das. Wenn ich im Videoscouting dann denke, dass man das auch anders lösen könnte, rede ich mit Marco und auch mit Christian (Held, Co-Trainer) darüber und wir finden immer eine Übereinstimmung. Es war noch nie so, dass ich mit Etwas überhaupt nicht einverstanden war. Doch wenn ich aus Spielersicht anderer Meinung bin, kann ich das Marco immer sagen, er ist offen und geht darauf ein. Er nimmt Dinge nicht persönlich, auch wenn es was Negatives ist. Das ist sehr konstruktiv.

Zu Beginn sagtest du schon, dass, wenn es nicht läuft, alles kritisiert wird. Einer der Kritikpunkte beim Coach lautet häufiger, dass sein Umgang mit den Spielern zu harsch sei, er sie gerade zu runtermacht. Wie siehst du das? Wie gehen deine Mitspieler mit seiner Art um?

Marco ist so wie er ist, war schon immer so und wird er auch immer so bleiben. Er kann laut und fordernd sein. Wenn es gut läuft, interessiert es den allgemeinen Zuschauer recht wenig, wie er mit den Leuten umgeht. Läuft es schlecht, sieht man nur das, was auf dem Feld zu beobachten ist. Aber nicht den ganzen Prozess in der Trainingswoche zuvor. Er will uns mental und physisch ans Limit bringen, auch im Training, damit wir auch dann gut spielen, wenn man sich nicht komfortabel fühlt. Marco meint das nie persönlich, das weiß auch Jeder. Früher oder später kriegt man seine neue Chance. Er will das Maximum des Potentiales herauskitzeln.

Wenn man neu ist, ist es vielleicht nicht einfach, damit umzugehen. Aber das lernt jeder Spieler. Schließlich kann man sehen, wie sich die Jungs über die Jahre unter Marco entwickelt haben.

Vielen Dank für das Gespräch. Zum Schluss würden wir gerne noch wissen, wie du Weihnachten und Silvester feierst.

Heiligabend fahren wir zu meiner Familie und meinen Schwiegereltern in die Pfalz, da trainieren wir nur morgens, essen dort und am nächsten Tag müssen wir schon wieder zurück, weil abends wieder Training ansteht. Silvester haben wir die Tradition, zusammen mit denselben Freunden zu feiern, sofern es der Spielbetrieb zulässt. Dieses Jahr feiern wir in Heidelberg.

 

Um 20 Uhr kann sich dann Jeder in der Arena Trier ein Bild davon machen, ob der INVICTUS-Gedanke gegen den Tabellenführer Crailsheim Merlins wieder aufblitzen kann.

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