Besuch der 30. Internationalen Spieletage in Essen

Von Stephan Nestel

Jedes Jahr im Oktober treffen sich in Essen zehntausende von spielebegeisterten Menschen auf den Internationalen Spieletagen SPIEL, der weltweit größten Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele. Auch 5vier Spieleexperte Stephan Nestel hat die Koffer gepackt und sich vom 18. bis 21. Oktober nach Essen begeben.

Die Hallen der weltweit größten Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele. Foto: Stephan Nestel

Die SPIEL ist Fach- und Publikumsmesse zugleich und damit DER Termin für alle, die beruflich oder privat mit Spielen zu tun haben. Hier treffen sich die Autoren und Verleger, die Hersteller und Händler um Kontakte zu knüpfen, Lizenzen zu verhandeln und nicht zuletzt, um der breiten Öffentlichkeit ihre Spiele und Neuheiten vorzustellen. Für private Besucher ist die Messe daher die perfekte Gelegenheit um neue Spiele auszuprobieren, einzukaufen und einfach viel Spaß mit Gleichgesinnten zu haben. Kein Wunder, dass auch ich nach Essen aufgebrochen bin, um vier Tage lang von Donnerstag bis Sonntag die Messe zu erkunden. Vier Tage – das klingt nach viel Zeit, ist aber in Wirklichkeit viel zu wenig, um mehr als nur einen Bruchteil des Angebots zu erleben. Schließlich laden alle Aussteller zum ausgiebigen Testen und Probespielen ein und angesichts einer achtseitigen Neuheitenliste war mir von Anfang an klar, dass ich vom Rahmenprogramm der Messe so gut wie nichts mitbekommen würde.

Anfassen erlaubt

Die Plätze an den Spieltischen sind heiß begehrt.               Foto: Stephan Nestel

Die Plätze an den Spieltischen sind heiß begehrt, und wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann heißt es schnell zugreifen. Wer besonderes Glück hat, der erwischt zum Spiel gleich noch einen „Erklärbären“ – so werden liebevoll die Leute genannt, die die Spielregeln erklären. Ein guter Erklärbär der sich auskennt spart viel Zeit (die sich dann mit einem anderen Spiel verbringen lässt) und kann sich des Dankes seiner Spieler sicher sein. Wenn sich aber der Erklärbär selbst nicht wirklich auskennt, dann hilft nur eines: der Griff zum Regelheft. Das ist zwar ärgerlich, aber wenn ein Spiel einfach nicht in die Gänge kommen will oder nicht funktioniert, dann lohnt der Blick in die Spielregeln, bevor man aufgibt und weiterzieht.

Ein ganz besonderes Erlebnis sind die Prototypen, die man als Normalsterblicher eigentlich nur auf der Messe testen kann. So mancher Autor nutzt nämlich die SPIEL, um seine neue Kreation auf Herz und Nieren zu prüfen und von so vielen Leuten wie möglich ausprobieren zu lassen. Und was könnte für einen begeisterten Spieler spannender sein, als ein noch unveröffentlichtes Spiel als einer der Ersten anzuspielen und vielleicht sogar Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen? Da werden die normalerweise verhassten Schwachstellen in den Regeln zur Herausforderung und plötzlich macht es Spaß, Problemen auf die Spur zu kommen. Und die Autoren freuen sich über gutes Feedback, das ihnen weiterhilft. Von den beiden Prototypen, die ich dieses Jahr testen konnte, hat sich einer noch recht zäh gespielt. Jetzt bin ich gespannt, ob sich nächstes Jahr die Vorschläge meiner Spielrunde in den Regeln wiederfinden lassen. Der Autor jedenfalls hat sich über die Anregungen gefreut und will unsere Ideen ausprobieren.

Beeindruckende Kostüme auf der „SPIEL 2012“               Foto: Stephan Nestel

Eine Ausnahme von der Regel, dass alle Spiele getestet werden können, ist die Halle für Fantasy und Rollenspiele. Weil die meisten Rollenspiele einfach zu lange dauern, werden hier kaum Proberunden angeboten. Dafür kann man aber an den Ständen für Liverollenspieler viele der Waren an- und ausprobieren: Da gibt es Kleidung und Schmuck, spezielle Rollenspiel-Waffen und Rüstungen und jede Menge Accessoires, die nötig sind, um in die Rolle einer Gestalt aus Sagen und Legenden zu schlüpfen. Wie das dann aussehen kann, zeigen immer wieder Besucher, die sich für die Messe in Schale werfen und als Figuren von Zelda bis zum Stormtrooper einen besonderen Blickfang geben.

Kaufen oder nicht kaufen?

Hat ein Spiel den Praxistest bestanden, dann stellt sich natürlich die Frage: „Kaufen oder nicht kaufen?“ Bevor ich zum ersten Mal auf die SPIEL gefahren bin hat mir eine erfahrene Freundin geraten, nicht mehr Geld mitzunehmen, als ich ausgeben will und dann am besten die Bankkarte zu Hause zu lassen. Wer einmal in Essen war, der weiß diesen Rat zu schätzen. Nicht nur, dass man all die schönen Spiele kaufen kann, wenn die Begeisterung noch ganz frisch ist – viele Verkäufer locken mit Messerabatten oder mit Extras, die es nur hier gibt und nicht im normalen Handel. Und wenn man erst einmal weiß, dass es da noch ein schönes Extra gibt, dann fühlt sich ein Spiel schnell unvollständig an. Zu meinem Glück konnte ich heuer dieses Problem beheben und die fehlenden Extras für „Ghost Stories“ nachkaufen.

Foto: Stephan Nestel

Aber nicht nur die Neuheiten verlocken auf der Messe zum Geldausgeben: Da gibt es die Sonderverkäufe der Verlage, bei denen so manches Schnäppchen möglich ist. Und dann sind da noch die Flohmarkt-Stände mit alten und im Handel schon vergriffene Spielen und natürlich die Stände, an denen sich verloren gegangenes Spielzubehör ersetzen lässt. Bei all diesen Angeboten ist die Gefahr groß, mehr Geld auszugeben, als geplant und jeder Messebesucher tut gut daran, nicht allen Kaufimpulsen nachzugeben.

Fazit

Auch dieses Jahr war die SPIEL für mich ein schönes Erlebnis. Ich konnte fast zwanzig Spiele testen, meine Sammlung erweitern und habe einfach die Atmosphäre der größten Spielemesse der Welt genossen. Aber nach vier Tagen voller Action, neuen Spielen und Eindrücken bin ich doch auch ganz froh, wieder daheim zu sein, wo es etwas weniger bunt und hektisch zugeht. Bis zum nächsten Jahr…

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Kommentare (1)

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  1. gab sagt:

    Mensch ich muss da auch inbedingt mal hin. Vielleicht schaffe ich es ja nächstes Jahr.

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