Über 10% Ladenleerstände in den Innenstädten

Führt Online-Handel und grüne Wiese zu Geister-Innenstädten?

Auch wenn es der Region Trier wirtschaftlich gut geht, überraschen die Ergebnisse der studentischen Unternehmensberatung „Contact & Cooperation“ doch. Sie besagen, dass etwas mehr als zehn Prozent der Geschäfte in Innenstädten der Region leer stehen.

Trier. Eine Geisterstadt ist eine in der Regel aufgegebene, oft abgelegene Siedlung mit fortgeschrittenem Verfall der Gebäude. Oft entstehen solche verlassenen Ortschaften durch einen plötzlich versiegenden Boom. In Spanien geschah das während einem Immobilienboom, in China durch das aus-dem-Boden-stampfen von Planstädten, die erst nachträglich bevölkert werden sollten. Das prominenteste Beispiel stellen wohl die Ghost Towns im Westen der USA dar, die nach dem Goldrausch sich selbst überlassen wurden.

In der Region ist die Lage natürlich noch nicht so dramatisch und doch hat die Untersuchung der studentischen Unternehmensberatung „Contact & Cooperation“ an der Universität Trier Zahlen zu Tage gefördert, die stellenweise Handlungsbedarf erfordern. Untersucht wurden Konz, Morbach, Saarburg, Traben-Trarbach, Trierweiler, Wittlich, Gerolstein, Hillesheim, Prüm, Bitburg, Daun, Speicher, Bernkastel-Kues, Hermeskeil und Schweich, wobei die Ermittlung der Ladenleerstände durch Vor-Ort-Begehungen im Laufe des Sommers erfolgte.

Die Auswertung durch „Contact & Cooperation“ ergab eine durchschnittliche Ladenleerstandsquote in den untersuchten Innenstädten von 11,5 Prozent. In 13 Prozent der untersuchten Kommunen lag die Quote bei unter fünf Prozent und kann damit laut IHK als unbedenklich charakterisiert werden. Ein solcher Wert entspreche der natürlichen Fluktuation. Ein Drittel der Gemeinden wies Ladenleerstandsquoten von fünf bis zehn Prozent auf. In 40 Prozent der Innenstädte lag die Quote bei zehn bis 15 Prozent. Hier ist laut IHK Handlungsbedarf gegeben. In der Regel sei die Lage als kritisch zu bewerten, wenn mehr als 15 Prozent der Geschäfte in der Innenstadt leer stehen. Dies war bei 13 Prozent der untersuchten Kommunen der Fall. Die Leerstandsquoten bewegen sich nach Berechnung von „Contact & Cooperation“ in einer recht großen Spannbreite von knapp vier Prozent bis zu mehr als 20 Prozent.

Ergänzend zu der Begehung führten die studentische Gruppe Interviews vor Ort durch. Diese bestätigten einen Trend, dass die Ladenleerstände in den vergangenen zehn Jahren zugenommen haben. Begründet wird dies vor allem mit demografischen Veränderungen in den ländlich geprägten Gebieten, der immer stärker zunehmenden Konkurrenz durch den Onlinehandel und dem Wettbewerb durch große Einzelhandelsansiedlungen in Randlagen und auf der sogenannten „grünen Wiese“.

„Die von „Contact & Cooperation“ erhobenen Ladenleerstands-Zahlen zeigen, dass das Problem in der Region existiert, aber derzeit noch beherrschbar ist. Wir verfügen über viele attraktive Innenstädte. Die Rahmenbedingungen werden allerdings nicht einfacher. Angesichts der Konkurrenz durch die „grüne Wiese“ und den Onlinehandel wird es in den kommenden Jahren verstärkt darauf ankommen, durch Optimierung des Angebots, Multichannel-Strategien, zielorientiertes Stadtmarketing und aktives Leerstandsmanagement steigende Ladenleerstandsquoten zu verhindern und leerstehende Gewerbeeinheiten neu zu besetzen“, kommentiert IHK-Handelsexperte Matthias Schmitt die Daten.

 

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