Terminator vs. Trump – das Klimaabkommen und die Welt

"Ich wurde von den Wählern in Pittsburgh gewählt, nicht in Paris!"

195 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen haben das Klimaabkommen von Paris mit dem Ziel des Klimaschutzes am 12. Dezember 2015 auf der UN-Klimakonferenz in Paris unterzeichnet. Begrenzt werden soll die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten. Syrien und Nicaragua waren die einzigen Staaten der Erde, die es nicht anerkannten…..bis gestern: nun reiht sich auch die USA ein in die überschaubare Riege der Verweigerer ein und der Initiator des Ausstiegs, Präsident Donald Trump, erntet einen internationalen Sturm der Entrüstung…

Trier / Washington. Die Amerikaner gelten seit jeher nicht als schwieriger Partner bei Klimaverhandlungen, ist der Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 in den USA doppelt so hoch wie beispielsweise in China. 28 Tonnen CO2 werden pro US-Bürger Jahr für Jahr in die Luft geblasen. Die Deutschen bringen es auf 18 Tonnen, ein Inder lediglich auf 3 Tonnen. Trumps Vorwurf, dass Abkommen sei den USA gegenüber unfair da Entwicklungsländern andere Konditionen zugestanden wurden als den Industriegiganten wie den USA & Co, wirkt angesichts der Zahlen wie ein schlechter Witz.

Dank Twitter lässt sich auch noch immer haarklein nachvollziehen, was Donald Trump über den Klimawandel gesagt bzw. geschrieben hat:

Wer glaubt, dass die Chinesen den Klimawandel inszeniert haben, um die US-Wirtschaft zu schwächen, hält auch nichts vom Pariser Klimaabkommen. Glücklicherweise und tragischerweise zugleich gilt das nicht für die gesamte USA, deren Wirtschaftsvertreter, Künstler und einfache Bürger sich einem Präsidenten ausgeliefert sehen, der auf dramatischste Weise die Welt- und Umweltpolitik verändert und ernsthaft überzeugt scheint, dass er damit „America“ wieder „great“ macht.

Eine besonders eindrückliche Antwort kam vom ehemaligen Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger:

Aber auch viele andere sind entsetzt. Spitzenmanager der Hightech-Branche wie Tesla-Chef Elon Musk werden die US-Regierung als Konsequenz für Trumps Entscheidung nicht mehr in Wirtschaftsfragen beraten.

Auch Disney-Chef Robert Iger zieht sich aus dem präsidialen Berater-Stab zurück…

 

Und selbst die Bankenwelt ist schockiert. Lloyd Blankfein, der Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs hat seinem Unmut via Twitter freien Lauf gelassen…

 

Und das die Online-Welt dem kreativen Wortschöpfer im weißen Haus (wir berichteten: Eine präsidiale Wortbildungs-Odyssee: Donald Trump’s covfefe) nach dieser Entscheidung keine Ruhe lassen würden, versteht sich von selbst…

 

Aber auch in der Politik regt sch Widerstand und das nicht nur international, wie der gerade gewählte französische Präsident Emmanuel Macron, der seine Botschaft zu Trumps Absage sogar auf Englisch in die Welt sendete.

Auch US-Politiker, die nicht Teil wegweisender Science-Fiction-Klassiker waren, positionieren sich klar und deutlich, so beispielsweise ausgerechnet der Bürgermeister der Stadt, die Trump als Begründung für den Ausstieg herangezogen hatte, als er sagte, dass er von den Wählern in Pittsburgh gewählt wurde. Bill Peduto ist Bürgermeister von Pittsburgh und macht nicht nur deutlich, dass er mit seiner Stadt weiter am Pariser Klimaabkommen mitarbeiten will, sondern auch, dass Pittsburgh im vergangenen November mit deutlichen 80% Hillary Clinton gewählt hat.

 

82 amerikanische Bürgermeister sind Pedutos Beispiel bereits gefolgt und haben sich den Zielen des Pariser Klimaabkommens verpflichtet. Mit dabei sind auch Metropolen wie New York City, Chicago und Los Angeles.

In einem Interview mit TV-Moderator und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar arbeitetet das tagesschau-Team die Lücke heraus, die der US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen hinterlässt:

Yogeshwar im Interview: „Trump vergleicht Äpfel mit Birnen“ | tagesschau.de

„Das ist eine Rechnung, die wir alle kennen: Wir haben gemeinsam einen großen Kuchen. Der entspricht 100 Prozent und jeder muss seinen Teil davon essen. Wenn nun einer sein Stück nicht isst, muss das übriggebliebene Stück, 15 Prozent, auf die anderen umverteilt werden. Möglicherweise ist das auch ganz gut machbar. Die Gefahr ist aber, dass jetzt einige Länder abspringen und sagen, wenn die USA nicht mitmachen – warum sollen wir dann noch mitmachen?

Es kann aber auch sein, dass es jetzt eine Veränderung des Schwerpunkts gibt – bezogen auf das Klima. Lange war es so, dass viele Länder – auch Deutschland – immer geguckt haben, was die USA machen. Inzwischen ist China ein wichtiger Partner geworden und es kann gut sein, dass Peking möglicherweise sagt: Wir übernehmen die Führung. Und vielleicht macht die dortige Regierung noch mehr, als wir bis dato geplant haben.“

Vielleicht ist also noch nicht aller Tage Abend und die Welt rückt dadurch ein Stück näher zusammen. Und falls nicht haben die Amerikaner in 1250 Tagen wieder die Gelegenheit einen weitsichtigeren Präsidenten zu wählen, der dann mit der Schadensbegrenzung alle Hände voll zu tun haben wird…

 

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