Über Familie und Heimat

Josef Cinar und Jermaine Bucknor im Interview

Manchmal ist der Wurm drin. Oder wie in diesem Fall der Virus. Anfang Februar waren wir mit Jermaine Bucknor von den RÖMERSTROM Gladiators Trier und Josef Cinar von der Eintracht aus Trier zum Doppelinterview verabredet. Dann erkrankte Buck, weswegen er auch nicht in Heidelberg spielen konnte, wo die Basketballer ihre letzte Niederlage verzeichneten. Zwei Wochen später war es dann Jupp, der krankheitsbedingt absagen musste. Anfang März klappte es dann endlich. 5vier.de traf sich mit den zwei Publikumslieblingen nach dem Gladiators-Training in der Arena zu einem umfangreichen Gespräch, bei dem Sport nicht unbedingt Thema Nummer Eins war.

Trier. Es braucht nicht viele Fragen oder Stichworte, damit sich Josef Cinar und Jermaine Bucknor schnell in einem Gespräch über ihre Erfahrungen in Trier, im Ausland und ihre Familien befinden. Dass sie so viele Gemeinsamkeiten haben, überrascht sie selbst am meisten.

Doch zu Beginn lässt „Buck“ noch ein wenig auf sich warten, da er sich immer ausreichend Zeit für das Dehnen nach dem Training nimmt. Somit startet das Gespräch zur Überbrückung mit „Jupp“ und dem Pressesprecher der Gladiators Vincenzo Sarnelli. Es entspinnt sich ein interessantes Gespräch über Spitzensport, Basketball und Fußball.

5vier: Hallo Josef, wie geht es dir? Was macht der Oberschenkel (Cinar musste bei einem Spiel wegen einem Pferdekuss ausgewechselt werden)?

Cinar: Dem geht es wieder gut, aktuell machen mir eher meine Knie Probleme, schon seit längerer Zeit. Und heute Abend haben wir noch ein Trainingsspiel auf Kunstrasen… Ich frage mich wie das bei den Basketballern ist, die immer auf hartem Untergrund spielen.

Das stimmt, für Knie- und Sprunggelenke ist der Basketballsport schon eine Herausforderung. Ihr wart ja mit der Eintracht zuletzt ein Spiel hier gucken, war es das erste für dich?

Cinar: Für diese Saison, ja. Zu Erstligazeiten war ich etwas öfter hier. Jetzt bin ich ungefähr seit einem Jahr wieder zurück in Trier und hatte etwas Stress, zum Beispiel durch die Geburt meiner Tochter, daher ging es bislang nicht mehr so häufig. Aber Basketball macht schon sehr viel Spaß zu gucken. Es passiert immer etwas. Das ist beim Fußball ja nicht immer so. (grinst)

Foto: Thewalt

Josef Cinar war noch häufiger zu Basketball-Erstligazeiten in der Arena als zur Zeit. Foto: Thewalt

Beim Kaffee wird dann weiter über Fußball als Sport und Gesellschaftsphänomen  philosophiert. Wir sprechen darüber, warum das Interesse in Trier seit Jahren abebbt und auch über die horrenden Summen in den Profiligen und den Finanztälern ab der 3. Liga abwärts. Jermaine Bucknor betritt das Front of House und bestellt sich was zu essen. Jupp und Buck kommen schnell ins Gespräch.

Die Sportler tauschen sich schnell über ihre Saisonverläufe aus, es wird englisch gesprochen. Es besteht großes Interesse auf beiden Seiten, auf sportlicher wie auf persönlicher Ebene.

Bucknor: Auf welcher Position steht ihr?

Cinar: Wir sind Dritter. Es läuft gut, besser als erwartet, wir haben neun Spiele am Stück gewonnen (Stand Anfang März, Anm. d. Red.). Bei euch läuft es ja auch gut in letzter Zeit.

Die Wurzel Josef Cinars

Bucknor: Ja, das stimmt. Wie alt bist du? Und wo kommst du her?

Cinar: Ich bin 34, so wie du. Ich bin in Bremen geboren, aber es ist etwas kompliziert zu erklären, wo ich herkomme. Meine Eltern sind in der Türkei geboren, sind aber keine Türken. Wir sind Aramäer, wir haben kein eigenes Land. Bis vor 150 Jahren lebten wir mit mehreren Kulturen zusammen im Nahen Osten. Mittlerweile, nach dem Völkermord und weiteren Ereignissen, sind wir über die Welt verteilt, wir sind vielleicht noch 500.000 Menschen.

Ich bezeichne Deutschland als mein Heimatland, aber ich habe keine „echte“ Heimat. Wie ist es bei dir? Bist du eigentlich auch Vater?

Bucknor: Ich bin Kanadier, meine Eltern kamen aus Jamaika dorthin und leben immer noch dort. Ich habe mittlerweile drei Kinder, von eins bis vier Jahren. Wie viele hast du?

Die Wurzeln Jermaine Bucknors

Cinar: Eine Tochter, sie ist auch ein Jahr alt. Sie fängt jetzt an überall hoch zu klettern.

Die jungen Väter teilen ihre Freuden und Herausforderungen miteinander. Vor allem der Schlaf macht Beiden zu schaffen. Man sucht nach Gründen, warum die Jüngsten seit 2 Tagen so früh wach werden. Sie tippen auf die steigenden Temperaturen und die länger werdenden Tage.

Wie lebt es sich denn als junge Familie in Trier? Ist die Stadt aus eurer Sicht familienfreundlich?

Bucknor: Wir mögen es wirklich sehr hier. Man hat hier alles was man braucht.

Cinar: Mit Kindern lässt es sich hier gut leben. Und Luxemburg ist auch direkt nebenan. Wie sieht es eigentlich  mit deinem deutsch aus? (lacht)

Bucknor: Nicht ganz so gut, hier sprechen alle englisch. Mein französisch ist weit besser als mein deutsch. Sollte ich auch nach der dieser Saison weiter hier bleiben, werde ich einen Sprachkurs belegen. Und meine Kinder wachsen mit deutsch auf, ich möchte es zusammen mit ihnen lernen. Kinder lernen so schnell. Meine Tochter kann jetzt schon besser sprechen als ich. (Erneutes lachen)

Das war der 1. Teil des Interviews mit Josef Cinar und Jermaine Bucknor. Schon morgen geht es weiter und ihr erfahrt, warum die zwei Profis Trier verließen und zurückkehrten und wie wichtig Stabilität für den Sport und das Leben allgemein ist.

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