Campus: Schlechte Stimmung im Wohnheim

Vor einigen Monaten berichtete 5vier über den Verkauf eines Studierendenwohnheims und die resultierende Mieterhöhung. Wie sieht die Situation heute aus?

Im Januar 2011 flatterte den Bewohnern des Allianz-Wohnheims in Tarforst ein Schreiben des Studierendenwerks (SWT) ins Haus, in dem sie über den Verkauf ihrer Wohnanlage an die Trierer gbt Wohnungsbau und Treuhand AG informiert wurden. Mit dem Schreiben wurde gleichzeitig eine kräftige Mieterhöhung angekündigt. Das SWT bemühte sich, der Wut der Bewohner so gut wie möglich zu begegnen. Es gab die Option, in eines der anderen Wohnheime des SWT umzuziehen, ohne dass die bereits im Allianz-Wohnheim verbrachte Zeit auf die Höchstmietzeit von acht Semestern angerechnet werden sollte.Viele nahmen das Angebot an, einige verzichteten und blieben.

Das Allianz-Wohnheim
Das Allianz-Wohnheim

Es sind vor allem Studierende in den letzten Semestern oder kurz vor Examensprüfungen, die sich gegen einen Umzug und den damit verbundenen Stress entschieden und stattdessen eine höhere Miete und andere Nachteile in Kauf genommen haben. Viele der Übriggebliebenen bleiben vor allem wegen der extrem guten Lage. „Buchladen, Bürobedarf, Supermarkt… alles innerhalb von 30 Sekunden zu erreichen. Und zur Uni braucht man maximal zwei Minuten zu Fuß. Das ist unschlagbar!“, sagt Anglistik-Studentin Katharina*.

Die Lage allerdings ist nicht alles. „Die Stimmung ist total umgeschlagen“, darin sind sich die verbliebenen Studierenden einig. Vor einiger Zeit wurde eine Wohnung aufgebrochen und offenbar von Dieben leergeräumt. Zwei Bewohnerinnen beklagen den Verlust von Postsendungen: jemand hat die Zustellkarten des Postboten aus den Briefkästen genommen und mit gefälschten Unterschriften die Pakete aus der Poststelle abholen können, ohne Verdacht zu erregen. „Als wir ein reines Studentenwohnheim waren, gab es hin und wieder mal Kleinkram. Aber nicht sowas!“, sagen mehrere der Bewohner. Den Verlust von „Kleinkram“ haben einige auch heute zu beklagen: im Wäscheraum wurden Handtücher und Laken direkt aus dem Trockner gestohlen. Auch Katharina vermisst Eigentum. „Mir hat jemand einige Paar Socken von der Leine geklaut. Socken! Wer klaut bitte Socken?“ Dass die Wäschestücke von einem Bewohner entwendet wurden, ist für die Besitzer klar. Denn für den Zugang zum Wäscheraum ist ein Schlüssel nötig, über den nur Mieter des Wohnheims verfügen.

Die „alten Hasen“ sind sich einig: „Früher gab es hier eine Art Gemeinschaftsgefühl unter den Studierenden. Dass dieses verloren ging, ist schade.“ Warum dieser Stimmungsumschwung? Seit der Übernahme durch die gbt, die auch den Rest des Komplexes mit insgesamt 100 Wohnungen, einer Ladenzeile und den 49 Studierendenappartements erworben hat, ist das Wohnheim keine reine Studentenbude mehr. Alle Mietinteressierten können sich hier niederlassen.

Möchte trotzdem jemand bleiben? Ja. Eine Theologiestudentin zum Beispiel beabsichtigt, bis nach ihren Examensprüfungen im Winter im Wohnheim zu bleiben. Wie viele andere ist sie noch mehr als vorher auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen, um die deutlich höhere Miete von über 300€ für 23 Quadratmeter zu schultern. Bei ihrem Einzug vor drei Jahren lag die Warmmiete bei 158€, ein Umstand, der damals vor allem Bafög-Empfängern, behinderten und ausländischen Studierenden zugute kam, die auf bevorzugte Aufnahme in die Anlage hoffen konnten.

Auch Katharina bleibt noch bis zum Ende ihres Studiums in einigen Wochen. Die Umzugskisten stehen aber schon parat. „Ich bin mittlerweile ganz froh, wenn ich weg bin. Einige meiner Nachbarn werde ich zwar sehr vermissen, aber man fühlt sich mittlerweile nicht mehr so sicher wie früher,“ sagt sie schulterzuckend. Und fügt hinzu: „Wenn ich vor dem Auszug meine Socken zurück bekäme, wäre das aber eine nette Geste.“

 

*Namen von der Redaktion geändert

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