Eintracht Trier: Trainingsauftakt in Kenn – Drescher hofft auf Gespräche

Aus Kenn berichtet Florian Schlecht

Eintracht Trier ist am Freitag wieder ins Training eingestiegen und will am Dienstag möglicherweise Testspieler begrüßen. Die nächsten Wochen könnten im Zeichen der Verhandlungen mit Trainer Roland Seitz und einigen Akteuren stehen.

In Kenn startete Eintracht Trier in die Winter-Vorbereitung. Foto: Peter Schmitt

Es war ein Hauch von Hollywood, der in der kühlen Luft von Kenn und im Dämmerlicht über den Kunstrasenplätzen lag. Ähnlich wie in den Klassikern von „Rocky Balboa“ floss auch im Leistungszentrum einiges an Schweiß. Wo der Filmheld aber seine körperlichen Grundlagen für die WM-Kämpfe lieber ungewöhnlich legt, indem er gegen blutige Rinderhälften schlägt und in einer kleinen, staubigen Boxhalle an seiner Kraft arbeitet, da standen den Regionalligaspielern von Eintracht Trier in Kenn doch modernere Möglichkeiten zur Verfügung. Im Leistungszentrum absolvierten die Spieler unter den prüfenden Blicken von Rudi Thömmes und Niki Wagner die erste Trainingseinheit im Jahr 2012 mit kleinen Fußballspielen und Stabilisationsübungen. Trainer Roland Seitz stößt erst am Dienstag bei der ersten Einheit am Gelände des Moselstadions zur Mannschaft. Vorher hat Wagner die Aufgabe, die körperlichen Werte zu erfassen. Den Auftakt bildeten Krafteinheiten,Samstag und Sonntag folgen Ausdauerläufe.

Co-Trainer Thömmes war mit dem Start nach drei Urlaubswochen zufrieden. „Die Jungs haben gut gearbeitet. Jeder freut sich, bald wieder auf dem Platz zu stehen.“ Das Training bot auch weitere Erkenntnisse. Das erste Tor des Jahres schoss Wojciech Pollok auf dem Kunstrasen, das erste Eigentor erzielte Ahmet Kulabas fast artistisch per Seitfallzieher. „Den wolltest du doch so machen“, feixte Thömmes. Den ersten Friseurbesuch hatte wohl Oliver Stang, der mit ganz kurzen Haaren in das neue Jahr ging.

„Wir legen uns den größten Druck auf“

Prüfender Blick: Niki Wagner beobachtet die Übungen. Foto: Peter Schmitt

Ansonsten hat sich wenig verändert – die Ansprüche an der Mosel sind gleich geblieben. Im Aufstiegsrennen mit den Sportfreunden Lotte und Borussia Mönchengladbach II will Trier am Ende die Nase vorn haben. „Wir haben ein großes Ziel vor Augen. Wer uns kennt, der weiß, dass wir uns selber den größten Druck auferlegen“, meinte Thomas Drescher. „Die Vorbereitung wollen wir dafür nutzen, um die Mannschaft weiter zusammenzuschweißen und bis zum ersten Spiel gegen Idar-Oberstein bei 100 Prozent zu sein.“  Besonders Torge Hollmann erlebte bei einem Blick auf die Kraftgeräte in Kenn echte Glücksgefühle im Stile eines Rocky Balboa. „Ich finde es herrlich, dass es wieder losgeht“, schwärmte der Kapitän, der nach langer Verletzungspause richtig Lust auf Fußball hat. „Vom Kopf her und körperlich konnten wir uns gut erholen. Durch die vielen Testspiele in nächster Zeit werden wir schnell in unserem Element sein.“

Der einzige Spieler, der zum Auftakt fehlte, war Marc Gouiffe à Goufan, der Ende Dezember noch zu seiner Familie nach Kamerun reiste. „Das ist mit dem Trainer abgesprochen“, meinte Rudi Thömmes. Seitz selber ist am Dienstag wieder im Training dabei. Dann vielleicht mit einigen Testspielern im Schlepptau. „Es werden wohl zwei, drei Leute bei uns mittrainieren“, sagte Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi gegenüber 5vier, ohne Namen nennen zu wollen. Ob es einen Winter-Neuzugang gibt, hängt auch davon ab, ob es zu einer Vertragsauflösung mit dem suspendierten Martin Hauswald kommt. „Wir werden ihm keine Abfindung zahlen“, betonte Wilhelmi.

Seitz hingegen würde sich einen neuen Mann für die offensive Außenbahn wünschen. „Wir sind uns darin einig, dass es sinnvoll wäre, dort was zu machen.“ Eine trotzige Reaktion auf die Einkäufe in Lotte, wo mit Torwart David Buchholz (Preußen Münster) und Mittelfeld-Abräumer Oliver Zech (VfL Bochum II) zwei neue Kräfte verpflichtet wurden und noch ein prominenter Stürmer folgen soll, will Trier nicht zeigen. „Ob so viele Neuzugänge förderlich sind für die Kameradschaft in einer Mannschaft, weiß ich nicht“, meint Wilhelmi. „Lotte macht es doch schon seit Jahren so, im Winter aufzurüsten. Das ist bei uns anders. Wir können mit ihnen finanziell nicht mithalten. Und wir vertrauen unserem Kader.“

Drescher: „Ich will mit Gesprächen nicht bis April oder Mai warten.“

Auch dem Trainer soll weiter das Vertrauen gelten. Wie vor Weihnachten bei 5vier angedeutet, stehen die Zeichen bei Roland Seitz auf eine Zusammenarbeit über die laufende Saison hinaus. „Wir haben in unserem Urlaub auf Fuerteventura ein mehrstündiges Gespräch gehabt und können uns sogar vorstellen, um zwei Jahre zu verlängern“, so Wilhelmi. „Wir wollen Kontinuität in die Position des Trainers bringen und müssen auch überlegen, was passiert, wenn wir nicht aufsteigen. Dann spielen wir in einer Regionalliga, in der man selbst als Meister und Vizemeister kein automatisches Aufstiegsrecht hat, sondern erst in die Mühlen der Relegation kommt. Den Druck, den Aufstieg dort unbedingt im ersten Jahr schaffen zu müssen, kann ich ja keinem Trainer auferlegen.“

Eine Baustelle ist auch der Kader für die kommende Spielzeit. Derzeit sind nur Oliver Stang, Alon Abelski und Wojciech Pollok über die Saison hinaus gebunden. Vertragsgespräche mit Spielern werden sich laut Wilhelmi aber noch „zwei, drei Monate“ hinziehen. „Wir wissen ja noch gar nicht, wo der Weg hinführt.“ Thomas Drescher hofft deutlich früher auf Signale des Vereins. Der Routinier würde „gerne in Trier bleiben“ und will die Verlängerung seines Arbeitspapiers „am liebsten schnell unter Dach und Fach haben“. Er unterstreicht aber auch: „Ich bin 33 Jahre alt, habe Familie und muss auch an die Zeit nach dem Fußball denken. Bis April oder Mai will ich nicht warten.“

+++++Eintracht in Kürze+++++

DFB-Anhörung am 13. Januar – Am 13. Januar gibt es in Frankfurt am Main die erste Anhörung zu den Rassismusvorwürfen von Jeremy Karikari und Marc Gouiffe à Goufan gegenüber Fußballern der Sportfreunde Lotte (5vier berichtete). „Ich werde die Spieler und einige Zeugen begleiten“, sagte Geschäftsführer Dirk Jacobs. Rechtsanwalt Erwin Bugar vom Deutschen Fußball-Bund äußerte sich im Nachrichtenmagazin Focus: „Ich bin seit mehr als 20 Jahren Mitglied im DFB-Kontrollausschuss, aber derart schwerwiegende Anschuldigungen sind mir noch nie untergekommen.“ Ob es eine Anklage gibt, soll sich nach der Anhörung entscheiden. Die Spieler aus Lotte bestreiten die Vorwürfe.

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