„Es gibt kein gemütliches Training“

Der Kapitän der Gladiators Trier Simon Schmitz im ersten von drei Interviews

Wenn Headcoach Marco van den Berg über seinen Kapitän Simon Schmitz spricht, fallen Begriffe wie Vorbild, fabelhafter Mensch oder absolute Führungspersönlichkeit. Er ist der Schlüsselspieler in seinem System und für die RÖMERSTROM Gladiators Trier. Wir haben uns mit dem Hochgelobten vor dem siegreichen Spiel in Hamburg getroffen.

Simon, hört man Marco über dich reden, lobt er dich über den grünen Klee. Wie ist das so für dich? Bekommst du das überhaupt mit?

So direkt bekomme ich das eigentlich nicht mit, meistens wird mir das über Dritte mitgeteilt, wenn Marco was über mich gesagt hat. Im direkten Kontakt besprechen wir, was er von mir verlangt. Die Interviews oder Berichte verfolge ich nicht so wirklich. Es ist natürlich schön sowas zu hören, aber davon kaufen kann man sich dadurch auch nichts. In Jena oder Bayreuth hab ich mir es abgewöhnt zu lesen, was so in der Zeitung oder auf Facebook steht. Schließlich ist man da der Held wenn es gut und der Idiot wenn es schlecht läuft. Es ist natürlich gut, wenn Aufmerksamkeit besteht, aber mir ist es viel wichtiger, was in der persönlichen Kommunikation passiert.

Immer aufmerksam: Simon Schmitz
Foto: RÖMERSTROM Gladiators Trier

Wie sieht denn die Kommunikation unter den Spielern konkret aus? Läuft das einfach so im Training oder gibt es da auch offizielle Ansagen, dass Gespräche geführt werden müssen? Da du der Kapitän bist, ist das ja einer deiner Hauptaufgaben.

Wenn alles gut läuft ist es relativ einfach, dann kann man im Training oder im Spiel einfach Jemanden zur Seite holen (Zitat, Anm. d. Red.), wenn man denkt, er könnte etwas besser machen. So wie ich von den erfahrenen Spielern in der BBL gelernt habe, möchte ich mein Wissen auch selber an junge Spieler, wie zum Beispiel Rupert Hennen, weitergeben.

Wenn es schlecht läuft, wie es zwischenzeitlich der Fall war, trifft man sich auch mal eine halbe Stunde vor oder nach dem Training, um über die Situation zu sprechen. Was läuft schief, was kann man besser machen? Da ist das Reden in der Gruppe wichtig, weniger als mit dem Einzelnen.

Wie siehst du bisher die Entwicklungen der jungen bzw. neuen Spieler?

Wenn man sich mal anguckt, wie Thomas Grün, „Rupi“ oder Johannes Joos letztes Jahr am Anfang der Saison gespielt haben, im Vergleich wie sie es jetzt tun, sieht man eine enorme Entwicklung. Gerade bei Thomas erkennt man, dass er am Anfang Probleme hatte, seinen Platz in der Philosophie von Marco zu verinnerlichen. Die ersten wirklich guten Spiele hat er in den Playoffs letztes Jahr gemacht. Dieses Jahr finde ich, dass er vor allem defensiv ein unglaublicher Anker im Team ist, er bringt viel Energie mit. Zum Beispiel beim Rebounding, aber auch bei Sachen, die nicht im Statistikbogen stehen.

Bei Johannes hätte man letztes Jahr vielleicht auch nicht gedacht, dass er solche Zahlen wie diese Saison auflegen kann. Er ist einer der effektivsten Spieler der Liga. „Rupi“ ist noch in einem Prozess, er hat Höhen und Tiefen. Aber sein Potential ist schon aufgeblitzt, er hat schon Spiele übernommen, wenn Kevin (Smit) und ich nicht auf dem Platz standen. Gerade auf der Point Guard Position kann man sich weiterentwickeln, das wird er tun.

Die Neuen haben teilweise noch Probleme, sich der Philosophie anzupassen. Zum Beispiel Kyle (Dranginis) hat sehr gute und weniger gute Auftritte gehabt. Das ist noch ein Anpassungsprozess, aber ich bin positiv gestimmt, dass er uns noch viel bringen wird.

Teamfoto RÖMERSTROM Gladiators Trier 2017/2018

Die Kader von Coach van den Berg sind häufig guardlastig. Steht da untereinander der Konkurrenzkampf im Vordergrund oder doch eher der Teamgedanke?

Es ist immer Beides. Konkurrenzkampf ist wichtig, aber wenn es menschlich nicht funktioniert, bringt dir das auch nichts. Es stimmt schon, dass wir gerade diese Saison viele Guards haben. Da sieht man auch unter der Woche, dass sich Jeder empfehlen will. Es herrscht aber aus meiner Sicht im gesamten Team eine hohe Arbeitsmoral. Da pusht man sich gegenseitig, da gibt es kein gemütliches Training.

Du nimmst pro Spiel fast sieben Würfe aus der Distanz. Liegt das an der noch nicht ganz wieder erlangten Fitness oder ist das das Ergebnis deiner Spielart?

Den Wurf sehe ich schon als meine Waffe. Von den sieben Würfen ist dann auch mal einer am Ende des Viertels von der Mittellinie oder wild mit Ablauf der Wurfuhr. Das relativiert die hohe Zahl ein wenig. Allgemein denke ich, dass der Wurf meine Stärke ist und dass ich so Räume für Andere schaffe.

 

Sollte euch interessieren, wie seine Gefühle zur bevorstehenden Vaterschaft lauten, warum er langfristig in Trier bleiben will, was er zur laufenden Saison sagt und was er über die „INVICTUS“-Philosophie des Trainers zu berichten weiß, darf sich in den nächsten Tagen über zwei weitere Teile freuen.

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