Jubel in Block K, Doreth als DJ und ein glücklicher Vorstand

Von Florian Schlecht

Der 78:70-Erfolg der TBB Trier in Frankfurt war der entscheidende Schritt zum Klassenerhalt. Noch lange feierten Fans und Mannschaft in und um die Fraport-Arena den verdienten Erfolg. Und die Zukunft des Trierer Weges. Vorstand Sascha Beitzel war glücklich, sich nicht mit dem Schreckensszenario des Abstiegs befassen zu müssen.

Auf die Stimmung der Fans der TBB Trier war auch in Frankfurt Verlass. Foto: Lisa Löwe

Andreas Seiferth stand auf dem Parkett in der Fraport-Arena, das er eben noch bearbeitet und beackert hatte. Ein Lächeln zierte das Gesicht des 2,09-Meter-Centers der TBB Trier, als er wenige Minuten nach dem 78:70-Erfolg in Frankfurt seine Stimmungslage schilderte. Vor den Tribünen von Block K standen die jubelnden Fans und setzten zur Polonaise in der Halle an. Die Spieler dehnten sich da nach dem geschafften Klassenerhalt in der Bundesliga schon wieder unter den Augen von Co-Trainer Thomas Päch, der wachsam die Verrenkungen der Basketballer beobachtete. „Wir haben uns für den schweren Weg entschieden“, sagte Seiferth, mit dem Wissen darum, dass der Abstiegskampf in der Endphase der Saison für Trier plötzlich und unerwartet kam. Mit einem zufriedenen Blick guckte er durch die Halle und befand: „Im Nachhinein muss ich sagen, dass das hier die schönsten Momente des Jahres waren.“

Als um 21.47 Uhr die Schlusssirene ertönte und die sportliche Rettung der TBB perfekt war, brachen alle Dämme der Emotionen. Die mitgereisten Anhänger kletterten schnell die Stufen nach unten in Richtung des Innenraums, um ihre Helden in Empfang zu nehmen. Die bedankten sich, indem sie mit Erleichterung jede Hand abklatschten. Und geduldig jede Treppe des Blocks hochschritten und jeden noch so schmalen Gang abliefen, zu den Fans, die noch schüchtern auf ihren Plätzen verharrten. Dann gingen sie in die Kabine, um kurz darauf zurückzukehren und einen Tanz vor dem Block zu wagen.

„Abstieg? Die Konsequenzen haben mir keinen Spaß gemacht“

Ausgelassene Spieler nach dem Sieg. Foto: Lisa Löwe

Sascha Beitzel stand grinsend daneben und fand Gefallen daran, nur die Bilder zu genießen. „Ich tanze nicht so gut und halte mich lieber zurück“, lachte er. Für den Vorstand war es keine leichte Woche. An der 82:87-Heimpleite gegen Tübingen habe er mächtig geknabbert, gab er zu. „Ich habe zwei Tage gebraucht, um die Niederlage zu verarbeiten.“ Dann befasste er sich mit dem Schreckensszenario eines möglichen Abstiegs. Aber nicht lange, wie er beteuerte. „Ich hatte den festen Glauben, dass wir den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen.“

Zu schmerzhaft waren die Überlegungen, was ein Abschied aus der Bundesliga bedeutet hätte. Geringere Einnahmen aus dem Sponsoring, auch wenn viele Verträge in der ProA weitergelaufen wären. Ungewisse Auswirkungen auf die Zuschauerzahlen, die in dieser Saison erst um 19,8 Prozent auf 4.321 Besucher pro Spiel gestiegen waren. Und vielleicht das Ende des eingeschlagenen „Trierer Weges“, weil herausragende Talente nur mit Erstliga-Basketball zu locken sind. „Je mehr ich mich mit den Konsequenzen beschäftigt habe, desto weniger Spaß hat es gemacht“, sagte Beitzel. Die Gedankenspiele, sie wurden nicht zur Realität. Zum Glück.

„Wir wussten: Unsere Zeit kommt!“

Humba-Tanz auf den Klassenerhalt. Foto: Lisa Löwe

In Frankfurt war es ein Kraftakt der Mannschaft, der die Ängste in Ekstase verwandelte. „Es ist ein geiles Gefühl. Wir sind einfach happy“, sprudelte es aus Mathis Mönninghoff heraus. Kein Wunder nach einem turbulenten Spiel, das erst einige Tiefen und dann so erstaunliche Höhen hatte. Als die Mannschaften unter Nebelschwaden und einliefen, stand Henrik Rödl still im Schatten des Scheinwerferlichtes, die Hände in den Hosentaschen, auf und ab tigernd. Die Anspannung in diesem Abstiegsendspiel war greifbar.

In der Halle tobte ein irrer Lärm, der weiter entfacht wurde, als Frankfurt in der Anfangsphase durch seine auftrumpfenden US-Amerikaner Brooks und Robertson bis auf 31:21 davoneilte. „Sie haben viele schwere Würfe getroffen. Mir war klar, dass sie das nicht das ganze Spiel durchziehen“, blieb Seiferth trotzdem cool. „Wir wussten: Unsere Zeit kommt!“ Der Center war gemeinsam mit Nate Linhart in der ersten Halbzeit mit seinem Einsatz verantwortlich dafür, dass der Rückstand zur Pause mit 34:35 nicht sonderlich schwer ins Gewicht fiel.

Der Rest der Mannschaft wurde danach mitgerissen. Als Nate Linhart einen Dreier verwandelte, führte Trier mit 51:48. Verrückter als der Treffer des US-Amerikaners war aber der Rebound zuvor, den er sich mit einem so beherzten Sprung über mehrere Meter sicherte, dass er sich verdächtig machte, jeden Jackie-Chan-Actionfilm gesehen und als Kind vor dem heimischen Fernseher nachgespielt zu haben. Bucknor legte gleich nach auf 54:48 und leitete die Schlussphase ein, in der kein Trierer die Führung mehr herschenken wollte. „Als es drauf ankam, waren alle da“, lobte Beitzel. „Ich kann Henrik Rödl nur dafür loben, eine Mischung aus Spielern gefunden zu haben, die Frankfurt das Leben so schwer machte.“

Pizza im Bus – und Doreth machte den DJ

Der Trainer war ebenfalls gerührt, als er um 22.06 Uhr von der Pressekonferenz in die Halle schritt und von den Fans besungen wurde. „Das war ein tolles Spiel, ich bin superstolz auf die Mannschaft.“ Für die war der Abend aber noch lange nicht vorbei. Als sie wenig später frisch geduscht und in ihren grauen Trainingsanzügen aus dem Bus stiegen, wurden sie am Ausgang der Katakomben von der Anhängerschaft in Empfang genommen. „Das war stark“, freute sich Mönninghoff, der auch von einer „lustigen Rückfahrt“ sprach. Dort gab es Pizza und Pasta für die Spieler, Bastian Doreth übernahm die Rolle als DJ und sorgte für die Musik. „Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen“, war Mönninghoff auch am Tag nach den großen Emotionen noch elektrisiert. Warum das so war, habe er erst mit Verzögerung verstanden. „Wir haben mit dem Klassenerhalt etwas geschafft, was in der Bundesliga in diesem Jahr wirklich nicht so einfach war.“

+++TBB in Kürze+++

100. Livestream-Spiel – Das Team von basketball-stream.de feierte Jubiläum. Ausgerechnet der Klassenerhalt in Frankfurt war das 100. Spiel, das Chris Schmidt kommentierte. Ein Geschenk gab es im Vorfeld auch vom Vorstand der TBB: Eine selbstgebackene Torte mit einem Basketball aus Marzipan als Verzierung. Zum Podcast von Samstag geht es hier.

Nun nach Berlin und Quakenbrück – „Wir haben Piano gemacht“, antwortete Mathis Mönninghoff auf die Frage, ob der Klassenerhalt noch lange gefeiert wurde. Kein Wunder: Trier hat noch zwei Spiele bei Alba Berlin (Mittwoch, 20 Uhr) und den Artland Dragons (Samstag, 20 Uhr) vor der Brust – und weitere Ziele. „In der Kabine haben wir gesagt, dass wir die Saison mit drei Siegen in Folge beenden wollen.“

Fanfest auf dem Petrisberg – Eine richtige Party steigt dann am Sonntag, 28. April ab 11 Uhr mit dem Fanfest der TBB Trier. Unter anderem auf dem Programm: Der 2. Beachvolleyball-Cup der Sparkasse Trier. Hier geht es zu weiteren Infos und der Anmeldung.

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