Türchen 27: Wenn Bücher zum Skandal werden

Ein Adventskalender im Januar? Spinnen die bei 5vier.de denn jetzt komplett? Nicht ganz, denn kaum einem Termin fiebert der fußballbegeisterte Leser am Anfang des neuen Jahres so sehr entgegen, wie dem Ende der ungeliebten Winterpause. Am 28. Januar rollt in der Region endlich wieder der Ball. Als erste Mannschaft nimmt Regionalligist Eintracht Trier wieder den Spielbetrieb auf und hofft im Heimspiel gegen Idar-Oberstein an die guten Leistungen der Hinrunde anknüpfen zu können.

Wir versuchen, euch die Wartezeit etwas zu verkürzen. In 28 Folgen präsentiert 5vier.de jeden Tag eine kleine Geschichte aus der verrückten Fußballwelt. Heute geht es im 27. Türchen um Bücher, die für Aufruhr sorgten.

Bücher von Fußballern füllen ganze Regale

27. Türchen: Wenn Bücher zum Skandal werden

Kleiner Philipp und große Literatur

Dass Fußballer bereits in vergleichsweise jungen Jahren ihre Autobiografien auf den Markt werfen, ist an sich ja nichts Ungewöhnliches. Aber dass sich nun auch mit Philipp Lahm ein Spieler zu Wort meldete, der bis dahin nicht besonders durch kontroverse Statements oder einen größeren Mitteilungszwang aufgefallen war, überraschte dann doch. Und eigentlich ist es auch nicht besonders aufregend, was Lahm in „Der feine Unterschied“ niederschreibt. Geschickt nutzte er aber die Macht der Boulevardmedien, in der BILD ließ er einige Passagen vorab veröffentlichen. Dort wurde dann von einer „schonungslosen Abrechnung“ mit Lahms Ex-Trainern Jürgen Klinsmann, Felix Magath und Louis van Gaal berichtet. Erboste Reaktionen waren die Folge, der Marketingclou ging voll und ganz auf.

Ein Genie, unfähig zu leben

Deutlich mehr zu erzählen als Philipp Lahm hat sicherlich Paul Gascoigne, der vielleicht beste Fußballer, den England in den vergangenen zwei Jahrzehnten hervorgebracht hat. Gazza hat es auf mittlerweile drei Autobiografien gebracht, in denen er auf sein turbulentes und am Ende tragisches Leben zurückblickt. Mit dem Ruhm kam der extrovertierte aber sensible Star nie zurecht, er verfiel dem Alkohol und leistete sich zahllose bizarre Eskapaden. Anlässlich seines jüngsten Buches äußerte sich Gascoigne in einem Interview sehr offen über die Schattenseiten seines Lebens. Gerne erinnern wir uns aber an den fantastischen Fußballer Paul Gascoigne, der bei der Europameisterschaft 1996 gegen Schottland eines der schönsten Tore der Fußballhistorie erzielte:

Wenn der Anpfiff zum Abpfiff wird

Dass Torhüter bisweilen zur Exzentrik neigen, wissen wir nicht erst seit Oliver Kahn. Vielleicht sind es deshalb besonders häufig Torhüter, die äußerst unterhaltsame Autobiografien schreiben. Bodo Illgner wählte in seinem gemeinsam mit Gattin Bianca verfassten Epos „Alles“ die Gattung eines fiktiven Tatsachenromans, um der Öffentlichkeit unter anderem bis dahin verborgene Details aus dem erotischen Leben des Musterpaares mitzuteilen („Wie in Trance warf ich meinen Kopf von einer auf die andere Seite. Ich wollte ihn ganz, sofort!“).

Aufsehen erregte auch Illgners Vorgänger im Kasten der deutschen Nationalmannschaft, Harald „Toni“ Schumacher. Nach Veröffentlichung seines Buches „Anpfiff. Enthüllungen über den deutschen Fußball“ wurde Schumacher sowohl aus dem Tor der DFB-Elf als auch des 1. FC Köln geworfen, was möglicherweise an Passagen wie der Folgenden gelegen haben könnte: „Nicht selten wurde um 20 000 bis 30 000 DM gespielt. Andere bumsten bis zum Morgengrauen und kamen wie nasse Lappen zum Training gekrochen.“ Auch sein Foul am Franzosen Patrick Battistion aus dem Jahr 1982 wird thematisiert, aber von Reue ist immer noch keine Spur. Das war wohl auch nicht zu erwarten, hatte er doch bereits nach dem Foul wenig Mitleid mit dem Gegenspieler gezeigt, der sich einen Wirbelbruch zugezogen hatte und zwei Zähne verlor: „Dann zahl‘ ich ihm seine Jacketkronen.“

Späte Bekenntnisse schützen vor Strafe nicht

Allerdings ist es auch nicht immer klug, in Büchern schließlich doch mit der Wahrheit rauszurücken. Das musste der Ire Roy Keane erleben, der als Spieler für Manchester United im Stadtderby gegen City am 21. April 2001 seinen Gegenspieler Alf-Inge Håland übel foulte und dies in seiner Autobiografie folgendermaßen kommentierte: „Ich habe lang genug gewartet. Ich habe ihn verflucht hart getroffen. Der Ball war da (glaube ich). Nimm das, du Schwein. Und steh niemals mehr über mir und spotte über gefakte Verletzungen.“ Vorangegangen war nämlich ein Kreuzbandriss Keanes im Spiel gegen Leeds, vier Jahre zuvor. Håland, damals noch dort unter Vertrag, hatte sich wegen einer vermeintlichen Schauspieleinlage Keanes beschwert, im Derby sah der heißblütige Ire den Zeitpunkt der Rache für gekommen an. Nach seinem Bekenntnis wurde Roy Keane vom englischen Verband für fünf weitere Spiele gesperrt (nach dem Foul musste er bereits dreimal aussetzen) und musste eine Strafe von 150.000 Pfund zahlen.

Fußballer und Hochkultur

Zum Abschluss geht es dann doch noch einmal um „richtige“ Literatur. Kein Geringerer als der Titan liest und deutet das Gedicht Der Panther von Rainer Maria Rilke. Soll noch jemand sagen, Fußballer hätten nichts im Kopf!

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